Aus dem Französischen von Rike Bolte, Ingeborg Schmutte, Peter Trier und Cornelius Wüllenkemper. Sein Bruder war immer da, wenn Simon ihn brauchte. An Ostern 1988 etwa, als Simon den Judas von dem berühmten Schnitzaltar riss. Auch als wenig später seine Liebe zu Martha zu scheitern drohte, wusste Vinzenz, was zu tun war. Über die Jahre blieben die beiden einander eng verbunden. Jetzt, als Vinzenz zurückkehrt, merkt Simon, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Er ist fahrig, verliert das Bewusstsein. Nach der Diagnose ist es Vinzenz, der seinen Bruder bittet: Rette mich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.03.2025
Rezensent Martin Oehlen kann sich dem Sog von Willi Achtens Roman nicht entziehen, obwohl es sich keinesfalls um leichte Kost handle: Es geht auf zwei Zeitebenen um zwei Brüder, Simon und Vinzenz, um ihr gemeinsames Heranwachsen im Teenageralter 1988 im rheinischen Kirschrath, und dann, 2017, um den Beistand am Sterbebett: bei Vinzenz wird ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert. Wie der Autor, der seinen Bruder ebenfalls an einen Gehirntumor verlor, auf Handlungsebene Trauer und Trost, Tragik und Zuversicht verbinde und sich auch auf Erzählebene auf die genaue Kalibrierung von hell und dunkel verstehe, dabei die "Intensität" erzählerisch immer mehr steigere, beeindruckt den Kritiker. Lobend hebt er außerdem hervor, wie gekonnt Achten auch in diesem Roman das Thema Umwelt einflechte: enggeführt werden Vinzenz' fortschreitende Krankheit mit dem rheinischen Braunkohletagebau, der Löcher der Verwüstung hinterlässt - verbunden würden die beiden Felder etwa über das Adjektiv "raumgreifend", analysiert Oehlen anerkennend. Ein packender und "dezent" philosophisch grundierter Roman mit Tiefgang, vermittelt der Kritiker.
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