Die Elegie "Brod & Wein" gilt seit Norbert von Hellingrath als "beste Grundlage zum Eindringen in Hölderlins Gedankenwelt". Umso befremdlicher erscheint die Tatsache, dass Hölderlin eben dieses Gedicht selbst noch einmal grundlegend umgearbeitet hat. Die Reinschrift der letzten Version der Elegie ist verschollen, nur die erste Strophe wurde, gegen den Willen des Dichters, 1807 unter dem Titel "Die Nacht" publiziert. Erhalten ist jedoch der intensive, editorisch schwierig zu deutende Entwurf im Homburger Folioheft, dessen intendierte Textgestalt erstmals 1977 in der Frankfurter Hölderlin-Ausgabe rekonstruiert wurde. Im steten Blick auf die Gesamtkomposition des Gedichts kommentiert Wolfram Groddeck Vers für Vers des späten revidierenden Entwurfs und erläutert die Differenz zur reinschriftlichen Grundschicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2012
Beeindruckt zeigt sich Jochen Hieber von Wolfram Groddecks Monographie über Hölderlins Elegie "Brod & Wein". Er würdigt die jahrzehntelange Forschung und Editionstätigkeit des Germanisten und seinen Beitrag zur neuen historisch-kritischen Ausgabe von Friedrich Hölderlins sämtlichen Schriften. Groddecks Interpretation von "Brod & Wein", die verschiedene Fassungen des Hölderlin-Gedichts berücksichtigt, findet er faszinierend. Er attestiert dem Autor hierbei Kenntnisreichtum und viel Geduld. Dass Groddeck Vers für Vers voranschreitet - zunächst die sogenannte Reinschrift, dann die Revision deutend - erleichtert es nach Hieber dem Leser, der "anspruchsvollen Exegese" zu folgen. Als besonders "spannend" erscheint ihm dabei, dass der Germanist streng textimmanent und intertextuell argumentiert und auf das Herstellen von biographischen, politischen und sozialgeschichtlichen Bezügen verzichtet.
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