Magazinrundschau - Archiv

Echo24

2 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 10.11.2020 - Echo24

Im Gespräch mit Echo24 erklärt der polnische Journalist, Essayist und Tschechienkenner Aleksander Kaczorowski aufschlussreich, was die Polen von den Tschechen halten: Während des ganzen 20. Jahrhunderts sei in Polen ein negatives Tschechenbild gängig gewesen. "Es hieß, der Tscheche sei ein Feigling, der den Krieg scheue und sich jeder Regierung immer anpasse. Es gab viele Negativstereotypen, und man sprach spöttisch vom tschechischen 'Pepík' (Seppl)." Dabei seien die Tschechen im 20. Jahrhundert die modernste Gesellschaft Mitteleuropas gewesen. Prozesse der Demokratisierung, Säkularisierung und Urbanisierung, die man mit Westeuropa verbinde, hätten sich dort schneller und tiefgehender vollzogen als etwa in Polen. Und jetzt? Sei Tschechien vielleicht nicht gerade ein Vorbild, aber doch das Muster einer entspannteren Gesellschaft. "Wir wünschen uns, dass wie in Tschechien die katholische Kirche nicht mit der Regierung verquickt ist. Wie würden gerne die Wochenenden wie die Tschechen verbringen, mit Erholung [in den traditionellen Landhäuschen] und Sport. Und dazu vielleicht auch diese Kneipen- und Bierkultur." Die tschechische Lebensart sei für Polen attraktiv und stelle eine Alternative zur 'Verwestlichung' dar. Denn die Polen seien zwar Teil Europas, wollten aber nicht sein wie die Deutschen oder Franzosen - "das ginge auch gar nicht. Aber sein wie die Tschechen?": Für Kaczorwoski eine interessante Perspektive.

Magazinrundschau vom 11.07.2017 - Echo24

Auf dem Karlsbader Filmfestival gewann seit fünfzehn Jahren erstmals wieder ein tschechischer Film den Hauptpreis: "Křižáček" des Regisseurs Václav Kádrnka (Trailer). Ein "mittelalterliches Roadmovie" nennen ihn die einen, eine meditative "Studie des Gehens" die anderen: Ein neunjähriger Junge hat sich aufgemacht, um sich den Kreuzzüglern ins Heilige Land anzuschließen, sein Vater, ein Ritter, folgt ihm nach, um ihn aufzuhalten. Auf der Suche nach dem Sohn zeigt er ein von der Mutter auf Stoff gesticktes Porträt des Kindes herum, "doch mit der Zeit zerfällt das Bild, so wie des Vaters Erinnerungen an die Gesichtszüge des Sohnes verblassen, die er unterwegs in vielen Kindern zu sehen glaubt", erzählt Ondřej Štindl und erkennt in dem Film weniger die Ambitionen einer realistischen Mittelalterabbildung als eine Metapher für Elternschaft sowie ein "Abbild des menschlichen Lebens als besessene Suche nach etwas Unerreichbarem, das sich langsam dem Sinn entzieht, eine stille Anziehungskraft, die bis zur Grenze des Ozeans führt, wo sich alles überschneidet." Für manche "der trägste" Film des Wettbewerbs, für Ondřej Štindl ganz klar "der stärkste".