Magazinrundschau - Archiv

Nautilus

5 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 26.05.2020 - Nautilus

Nicht menschlich, aber irgendwie auch ganz süß: Joe Jones' Rug Warrior von 1989
Dystopisch-gruseligen Fantasien, in denen Roboter die Weltherrschaft übernehmen, erteilt Joe Jones eine klare Absage - er hat allerdings auch gut reden, er entwickelt ja seit den 80ern selber solche, darunter einen beliebten automatischen Fußbodenreiniger, dessen beschwerliche Entwicklung er detailliert schildert. Warum also ist mit einer Unterjochung der Menschheit nicht zu rechnen? Weil Roboter im Grunde blöde sind und es auch weiterhin bleiben werden, solange effizientes Wirtschaften nach Reduktion der Herstellungskosten verlangt. "Robotern fällt es schwer genug, überhaupt nur ihre Jobs zu erledigen. Sie darüber hinaus noch mit unnötigen Eigenschaften und Erwartungen zu belasten, macht das Problem nur größer. Das ist der Grund dafür, dass es mich immer ärgert, wenn Entwickler ihre Roboter mit anthropomorphen Merkmalen ausstatten - sie geben damit ein Versprechen, das kein Roboter halten kann. Anthropomorphe Merkmale und Verhaltensweisen legen nahe, dass der Roboter über die selbe Art Innenleben verfügt wie Menschen - hat er aber nicht. Stattdessen stehen dem Roboter eine überschaubare Menge an Tricks zur Verfügung, mit dem er menschliche Verhaltensweisen imitieren kann. Hat der Besitzer alle Tricks gesehen, verflüchtigt sich der Neuheitseffekt und damit auch der Grund, den Roboter überhaupt einzuschalten. Nur die Dienste jener Roboter, die sinnvolle Aufgaben erfüllen, werden auch dann noch in Anspruch genommen, wenn sich der Neuigkeitenwert abgenutzt hat. Kein kommerziell erfolgreicher Roboter, von dem ich weiß, kommt mit überflüssigen Extras. Dies umfasst auch die Rechenschaltkreise - Rechenschaltkreise, die er nutzen könnte, um die Weltherrschaft zu erlangen. Dass Roboter den Alltag noch nicht durchdringen, liegt auch daran, dass jeder von ihnen das seltene Zusammenspiel aus Markt, Aufgabenbereich, Technologie und Innovation benötigt. Aber mit dem technologischen Fortschritt und dem allgemeinen Kostenverfall erweitert sich auch fortlaufend der Werkzeugkasten der Entwickler. Daraus folgt, dass mehr Sorten von Robotern die Schwelle wirtschaftlicher Nutzbarkeit überschreiten. Mit einer Konstante aber ist dabei stets zu rechnen: Jeder neue, erfolgreiche Roboter wird nur ein Minimum darstellen - die einfachste, kostenniedrigste Lösung eines Problems, das die Leute gerne gelöst sähen."
Stichwörter: Roboter, Robotik, Jones, Joe

Magazinrundschau vom 02.05.2017 - Nautilus

In Amerika glaubt man, wer sich anstrengt, bringt's auch zu was, selbst wenn er aus kleinsten Verhältnissen kommt. In einem sehr persönlichen Text widerspricht der Investmentbanker Christian H. Cooper, der selbst aus allerärmlichsten Verhältnissen in Tennessee kommt: Armut kann nur selten individuell überwunden werden. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, schreibt er, kann der Dauerstress, den Armut verursacht, sogar unsere Zellen verändern: "Wir haben gelernt, dass dieser Stress das Potenzial hat, unsere Biologie auf eine Art zu verändern, die wir uns bislang nicht mal vorstellen konnten. Er kann die Oberfläche unseres Gehirns verkleinern, unsere Telomere und Lebenserwartung verkürzen, das Risiko für Fettleibigkeit und unsere Bereitschaft, übergroße Risiken einzugehen, erhöhen. Jetzt gibt es Hinweise, dass die Veränderungen noch tiefer gehen könnten - dahin, wie unsere Körper sich zusammenbauen, indem Zelltypen, aus denen er zusammengesetzt ist, verschoben werden. Armutsbedingter Stress könnte sogar den Ausdruck unseres genetischen Codes verändern, wie ein Zauberwürfel, der in einer laufenden Waschmaschine steckt. Wenn diese Erkenntnisse sich weiter bestätigt, dann bedeutet dies, dass Armut mehr ist als nur ein sozioökonomischer Zustand. Sie ist eine Ansammlung von verwandten Symptomen die vermeidbar sind, behandelbar und sogar vererbbar."

Magazinrundschau vom 13.09.2016 - Nautilus

Den niederländischen Wissenschaftstheoretiker Bas van Fraassen kennt kaum jemand außerhalb von Philosophenzirkeln. Unter seinen Kollegen ist er dagegen eine Berühmtheit, erklärt Peter Byrne, der van Fraassen für Nautilus interviewt und gebeten hat, sein Konzept des Konstruktiven Empirismus zu erklären: "Mein Hauptpunkt ist, dass man unmöglich das Chaos beschreiben kann, das in der Welt herrscht. Wir können nützliche Theorien und Modelle entwickeln, die empirisch adäquat sind - die uns beispielsweise etwas über das Verhalten sogenannter Elektronen erzählen, ohne dabei sagen zu müssen, was ein Elektron ist. Teile eines theoretischen Modells können als wahr oder falsch beurteilt werden, basierend auf der Vergleichbarkeit der Daten. Aber um nützlich zu sein, um empirisch adäquat zu sein, müssen die Daten nicht in eine allumfassende Theorie über die Organisation der Welt passen. Wissenschaft ist ein groß angelegtes menschliches Unternehmen und wir brauchen Grenzen um festzulegen, wann wir etwas als wahr oder nicht wahr über die Welt um uns herum bezeichnen."
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Magazinrundschau vom 11.04.2014 - Nautilus

In einem sehr interessanten Artikel in Nautilus beleuchtet Dirk Hanson die Geschichte und Zukunft des künstlichen Lichts. "Seit einigen Jahren arbeitet sich der Physiker Jeff Tsao durch das Kosten-Nutzen-Verhältnis von künstlicher Beleuchtung. Seine Analyse von Daten aus drei Jahrhunderten und sechs Kontinenten hat ergeben, dass "die Zunahme an Leuchtkraft mit einem erhöhten Energiebedarf einhergeht, der den Effizienzgewinn exakt ausgleicht". Mit bemerkenswerter Verlässlichkeit reagiert die Menschheit auf billigere und effizientere Beleuchtungsmethoden demnach mit einem höheren Verbrauch. Es ist das, was Ökonomen als "Jevons" Paradoxon" bezeichnen: erhöhte Effizienz in der Nutzung von Rohstoffen kann kontraproduktiv sein, wenn die daraus resultierenden Einsparungen in einen höheren Konsum investiert werden. Nach Tsaos Berechnungen wendet die Welt seit dreihundert Jahren konstant 0,72 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Licht auf."

Magazinrundschau vom 22.10.2013 - Nautilus

Der Komponist Edward Elgar, Schöpfer der "Enigma Variations" und von "Pomp and Circumstances", hatte eine Schrulle, die bis heute gut ankommt: Er liebte Rätsel, Verschlüsselungen und Denksportaufgaben. Seiner guten Freundin Dorabella Penny schickte er einst eine Reihe rätselhafter Zeichen, die bis heute nicht überzeugend entschlüsselt sind, erzählt Mark MacNamara. "Unzählige Kryptographen haben voller Eifer versucht, die 'Dorabella-Chiffre' zu knacken - unter Einsatz höherer Mathematik und Analytik. Aber die Elgar Society ist bisher mit keiner Lösung einverstanden. Sie ist der selbst ernannte Schiedsrichter in dieser Sache. Während der Union Jack stolz über ihrem pfeifenden Teekessel flattert, verlangt die Elgar Society, dass die Lösung die Chiffre auflösen und aus sich selbst heraus verständlich sein soll, so dass Elgar Aficionados in der ganzen Welt einander zunicken und sagen können: 'Natürlich, das ist es. Warum haben wir das nicht gesehen?'"