Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Als der Regisseur Jair Moses zu einer Retrospektive seiner Filme nach Santiago de Compostela eingeladen wird, will er die Reise nach Spanien in Begleitung von Ruth, seiner langjährigen Weggefährtin, genießen. Aber dann ruft ein verstörendes Bild in seinem Hotelzimmer vergessen geglaubte Erinnerungen wach: Eine Filmszene, in der Ruth als junge Frau einem Bettler am Straßenrand die Brust geben sollte, führte zum Zerwürfnis mit dem Drehbuchautor, seinem engsten Freund. Wie konnte es so weit kommen? Die Konfrontation mit seinen alten Filmen, noch dazu in der fremden Sprache, lässt Moses tief in seine Vergangenheit eintauchen und ihn die Ereignisse von damals in einem neuen Licht sehen. Der überwältigende Wunsch nach Versöhnung wird für ihn zum Auslöser für die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2014
Rezensent Jakob Hessing schätzt die Romane des Schriftstellers Abraham B. Jehoschua für ihr in der israelischen Literatur seltenes historisches Bewusstsein. Und so liest er auch den neuen Roman "Spanische Barmherzigkeit" mit großem Interesse. Anhand seines Alter Egos, dem Filmregisseur Jair Moses, reise der Autor hier von Spanien nach Israel und betrachte die Geschichte der Sepharden, der "spanischen" Juden, die noch heute den Aschkenazen gegenüberstehen. Im Mittelpunkt der Erzählung stehe das Motiv der "Caritas Romana", das Bild eines alten Mannes, vor dem eine junge Frau ihre Brust enthüllt, um ihm Milch zu geben, und an dessen Deutung sich das Filmteam aus Sepharden und Aschkenazen einst entzweite, berichtet der Kritiker. Neben dem aufschlussreichen Einblick in die jüdische Geschichte liest der Rezensent hier nicht zuletzt Jehoschuas Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft.
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