Ende der 1970er Jahre stand Bundesaußenminister Genscher vor der Herausforderung, die Entspannungspolitik der sozial-liberalen Koalition gegen den heraufziehenden "Zweiten Kalten Krieg" zu verteidigen. Am Beispiel des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan und der polnischen Krise werden die Besonderheiten seiner Kommunikationspolitik gezeigt. Die Basis seines langfristigen Erfolgs erkennt die Autorin in einem spezifischen "System Genscher".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2015
Harald Biermann, selbst Zeithistoriker und stellvertretender Leiter der Stiftung Haus der Geschichte lässt an seiner Unzufriedenheit mit der vorliegenden Studie keinen Zweifel. Ihn stören Fehler im Detail, aber auch das Ganze, wobei er nicht wirklich klar skizziert, worin die These der Autorin eigentlich besteht. Immerhin scheint sie Genscher für eine historische Figur zu halten, sein kommunikatives Können hervorzuheben und, wie Biermann anmerkt, persönlich von ihm fasziniert zu sein. Man hat den Eindruck, dass Biermann nicht nur mit der Biografie, sondern auch mit ihrem Gegenstand nicht wirklich sympathisiert. Genschers Entspannungspolitik erscheint in seiner Darstellung schon zur aktiven Zeit des Außenministers obsolet. Die Supermächte konfrontierten sich ohnehin direkt und hätten mit der Episode schon abgeschlossen, und selbst die französischen Politiker kritisierten laut Biermann die Gefälligkeit und Windelweichheit Genschers gegenüber der Sowjetunion. Biermann merkt allerdings an, dass die Deutschen ihre damalige Entspannungspolitik bis heute ins Herz geschlossen haben.
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