Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki. Die Schriftstellerin und Übersetzerin Karen, ist um die Vierzig und lebt seit zwei Jahren allein mit ihrer Tochter Daniela in Budapest. Seit einiger Zeit gehört auch das Mädchen Detti zur Familie, dessen Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Es ist für Karen wie ein Wunder, als der Filmregisseur Carlos in ihr Leben tritt, ein Jude deutsch-dänischer Abstammung. Doch die ungarischen Behörden verweigern dem Paar die Genehmigung zur Heirat. Nachdem Carlos Budapest aus privaten Gründen verlassen muss, wird es äußerst schwierig, den Kontakt aufrechtzuerhalten ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2003
Die Einschränkung der Reisefreiheit in den sozialistischen Ländern erzeugte eine Art virtuellen Tourismus und trotzigen Bildungsstolz, behauptet Wiebke Denecke. Theoretisch war der Ostbürger weitgereister und wusste mehr über Venedigs Geschichte als der dort umherstolzierende ignorante Westmensch, meint sie. Ist es dann überhaupt wünschenswert nach Venedig zu fahren, fragt sich Denecke. Das Liebespaar des Romans von Agnes Gergely "Die Unbehüteten", durch mehrere Ländergrenzen und den eisernen Vorhang voneinander getrennt, gelangt jedenfalls nie dorthin, träumt aber umso heftiger davon. Die Geschichte dieser unmöglichen Liebe stand in Ungarn auf den Bestsellerlisten, berichtet die Rezensentin; von Gergely, Jahrgang 1933, liegt bislang nur ein Roman aus dem Jahr 1982 auf Deutsch vor. Ihr neuer preisgekrönter Roman, den Denecke als sprachlich anspruchsvoll und atmosphärisch dicht beschreibt, führt zurück in die Welt vor dem Zerfall des sozialistischen Lagers, in eine zumindest teilweise heile Welt, die - mit den Worten Deneckes - den "Trost des klassischen Bildungskanons" kannte.
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