Aus dem Japanischen und Englischen von Paula Weber und Nicola T Stuart. Die kleine Spitzmaus ist eine fleißige Angestellte und folgt von morgens bis abends einem strengen Zeitplan. Aber auch ein Leben, das wie ein Uhrwerk läuft, kann unerwartete Momente der Freude enthalten, etwa wenn sie zum ersten Mal ihren Zauberwürfel gelöst hat, den Duft von frisch gebackenem Brot genießt, die unendliche Schönheit des blau schimmernden Ozeans bewundert oder sich über einen Besuch von Freunden freut.
Akiko Miyakoshi gelingt mit ihrem Kinderbuch über eine einsame, fleißige Spitzmaus dreierlei, erklärt Rezensent Jan Drees: eine feine und einfühlsame Fabel über den schaffenden Menschen, oder genauer gesagt: das arbeitsame Mäuschen, ein Denkstück über Achtsamkeit gegenüber der Schönheit im Alltäglichen, und ein Einblick in den Alltag vieler Erwachsener, lesen wir. Der Alltag der kleinen Protagonistin scheint gleichförmig und eigentlich nur aus Arbeit zu bestehen, die Welt, mit der wir sie in "zarten Kohlezeichnungen" konfrontiert sehen, groß und übermächtig. Miyakoshi macht auf diese Weise die Einsamkeit ihrer Protagonistin sichtbar, ohne jungen Lesenden vorzugeben, was sie fühlen, wie sie den Mäuse-Alltag einschätzen sollen. So führt die Autorin junge Menschen auf sanfte Weise an das Thema Einsamkeit heran, so der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.02.2025
Rezensentin Kim Kindermann ist unsicher, ob Akiko Miyakoshis Kinderbilderbuch bei Lesern und Betrachtern ab 5 wirklich verfängt. Die auf der japanischen Lebensphilosophie Ikigai fußende Geschichte über eine Spitzmaus mit durchgetaktetem Alltag, die das Glück im Kleinen sucht und findet, weckt bei Kindermann jedenfalls die Frage, ob Kinder nicht eher das Abenteuer suchen anstatt die karge Lebenswelt der Maus. Doch eins ist klar, meint Kindermann, die samtig leuchtenden Bilder aus Acrylfarbe und die Kohlezeichnungen geben dem Ganzen eine faszinierende "eigene Bildsprache". Und anregend ist das Buch allemal, findet sie.
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