"Vieles liegt hinter mir. Nach der Seefahrt - welche Landreisen! Der Weg vom Atlantischen zum Stillen Ozean. Nicht in einem Hieb, sondern mit Wanderfahrten, Wunderfahrten kreuz und quer." Alfred Kerr. Nach über 90 Jahren wiederentdeckt: Im Frühling 1924 reiste Alfred Kerr von New York bis Los Angeles und schrieb einen literarisch brillanten Text, der zugleich eine kritische Momentaufnahme darstellt. Trotz etlicher von ihm konstatierter "Untergangsmöglichkeiten für Amerika" stimmt er eine Hymne auf die viel gescholtene Nation an und lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was er an Land und Leuten so verehrt - atemberaubendes Naturschauspiel, Wagemut, Pragmatismus ohne Zaudern und bürokratische Hürden, anhaltende Offenheit für Überraschungen und Wunder.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2020
Rezensent Hubert Spiegel bewundert die Wucht der Sprache, mit der Alfred Kerr Amerika "entstehen" lässt. Im Jahr 1924 reiste der deutsche Theaterkritiker gemeinsam mit seiner Frau durch die Vereinigten Staaten, nach Washington, New Orleans, Seattle, zum Grand Canyon oder zum Yosemite-Nationalpark und wurde vom Präsidenten empfangen, erzählt der Kritiker. In seinen sprachgewaltigen Schilderungen ging es Kerr nicht nur darum, den deutschen Lesern die "Wunder" dieses Landes detailreich vor Augen zu führen, sondern auch deren Wirkung auf ihn, den Schreibenden, zu zeigen. Dass der Autor sich dabei dennoch zurücknimmt, findet Spiegel bemerkenswert. Darüber hinaus macht ihm der "genialische Brachial-Poet der Kritik" nicht nur die "praktische Vernunft" der Amerikaner deutlich, sondern geht auch auf Unterschiede zu und Auswirkungen auf Europa ein, schließt der Rezensent.
Rezensent Eberhard Falcke hat sich gern von Alfred Kerr auf eine Reise durch die USA mitnehmen lassen. Nicht unbedingt, um das amerikanische Leben der Zwanziger kennenzulernen, das wussten Joseph Roth oder Alfred Polgar fein- und scharfsinniger zu beschreiben, meint der Kritiker. Prächtig amüsiert hat er sich aber allemal, wenn ihn der "fidele Phrasendompteur" durch Washington, Los Angeles, Salt Lake City, den Grand Canyon oder den Yellowstone-Park führt, Begegnungen mit Straußenweibchen in Zuchtbetrieben Aufeinandertreffen mit Pola Negri in Hollywood vorzieht oder mit viel Witz von seinem Empfang bei Präsident Calvin Coolidge erzählt. Dass Kerr gelegentlich touristische "Klischees" reproduziert, um die welthistorische Rolle der USA hervorzuheben, verzeiht der Rezensent bei so viel "sprachlichem Budenzauber" gern.
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