Ullstein Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783550204067 Gebunden, 288 Seiten, 22,99
EUR
Klappentext
Warum wir Opfer hassen. In Talkshows, in Bundestagsdebatten, am Abendbrottisch - überall wird über "Opfer" gesprochen. Doch zunehmend sind damit nicht Menschen gemeint, denen Unrecht widerfahren ist. Sondern solche, die die Harmonie stören, als verweichlicht gelten, andere herunterziehen oder sich über sie stellen wollen. "Opfer" - das ist längst ein Vorwurf geworden. Wenn Menschen nicht so viel jammern würden, heißt es, hätten wir nicht so viele Probleme. Was passiert in unserer Gesellschaft, wenn Sensibilität als elitär gilt, das "Recht des Stärkeren" dagegen als egalitär und authentisch?In ihrem neuen Buch beschreibt Alice Hasters einen medial verstärkten kulturellen Wandel, der nicht zufällig mit einem Aufschwung von Autoritarismus und Faschismus einhergeht. Doch auch diese Systeme brauchen "Opfer": vermeintlich fragile, verwundbare Figuren, die es zu schützen gilt, um die Politik der Härte zu rechtfertigen - Frauen und Kinder, die "europäische Kultur" oder den "Wohlstand". Mit intellektueller Unruhe und unbeirrter Klarheit benennt Hasters die verheerenden Folgen dieser Politik und stellt ihnen die politische Kraft der Verbundenheit gegenüber.
Zur Debatte um Opferrollen und Opfererzählungen kann Rezensentin Renate Kraft gleich zwei neue Bücher empfehlen. Die Journalistin Alice Hasters ist selbst von Rassismus betroffen und schreibt in ihrem Buch über rechte Gruppierungen, die anderen das Opfersein absprechen wollen, um sich selbst zum "Opfer der Opfer" machen zu können, schildert Kraft. Die Autorin beklagt eine Härte gegenüber Opfern, der sie in klugen, reflektierten Analysen einen Anspruch auf Wahrnehmung und Hilfe entgegensetzt, immer im Hinblick auf die Frage, wie es uns als Gesellschaft mit einem geschehenen Unrecht geht. Hasters nimmt die Bürgerrechtsbewegung in den Blick und zeichnet nach, wie Trump die berühmte MLK-Rede für sich vereinnahmt hat, schildert die Kritikerin, sie liest von der kraftvollen Wirkung von Schmerz und Trauer, würde dem aber noch den Zorn hinzufügen, der erst zum Widerstand motiviert.
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