Transkription
Roman

Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518432754
Gebunden, 160 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Er reist an die US-amerikanische Ostküste, um das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor Thomas zu führen, diesem überlebensgroßen Urgestein der Kunstszene, Vater seines besten College-Freundes. Vor dem Termin fällt ihm allerdings im Hotel das Smartphone ins Klo, und er kommt ohne Aufnahmegerät zum Interview. Was er aus Gründen, die ihm selbst nicht klar sind, nicht zugeben kann oder will. Daraus entwickelt sich eine turbulente Geschichte mit bizarren Folgen, das emotionale Drama - nicht nur - dreier Männer, die mit der Frage kämpfen, was es heißt, in dieser unseren wackeligen Wirklichkeit (was ist das eigentlich, Wirklichkeit?), ein guter Freund, ein guter Vater und überhaupt ein guter Mensch zu sein.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2026
Rezensent Paul Jandl zeigt sich im höchsten Maße beglückt durch die Lektüre von Ben Lerners neuem Roman "Transkription". Mit welchem "Drive" dieser Autor schreibt! Wie es ihm auch hier, in diesem neusten Roman, gelingt, gesellschaftliche Fragen der Gegenwart bis aufs äußerste zu verdichten, zu kondensieren, in die Form sprechender Bilder zu überführen! Wie er der Komplexität seiner Themen gerecht wird, ohne sich in intellektuellen Elfenbeinturm-Diskursen zu verlieren! Die reinste Freude, findet Jandl. Und dann ist da noch jene feine Referenz auf Alexander Kluge, diesem "Gedankenverführer", dem Lerner mit seiner Figur des Mentors Thomas ein liebevolles Denkmal setzt. 90 Jahre alt ist dieser Thomas, als Lerners Protagonist ein letztes Interview mit ihm führt. Das Problem: Sein Handy ist ihm kurz zuvor ins Wasser gefallen. So ist es nun also nicht die digitale Tonaufnahme, sondern seine Erinnerung, aus deren "Transkription" das schriftliche Gespräch entsteht, lesen wir. Nach dessen Erscheinen wird dem Protagonisten vorgeworfen, ein "Deep Fake" kreiert zu haben. Doch, wäre ein aufgenommenes Gespräch denn tatsächlich näher an der Wahrheit als ein aus der Erinnerung rekonstruiertes? Was das gespenstische Wesen der Wahrheit ausmacht, das ist die große medientheoretische Frage, der Lerner in diesem Roman nachgeht. Und wieder einmal hat dieser Autor seine Rolle als Superstar der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur erfolgreich verteidigt, so der begeisterte Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 26.03.2026
Für Rezensentin Andrea Köhler ist Ben Lerner einer der unterhaltsamsten Autoren und einer, um den der Hype berechtigt ist, wie ihr auch der neue Roman zeigt: Auf nur 160 Seiten entfaltet er ein großes Panorama all jener Themen, die die Intellektuellen in den letzten Jahren beschäftigt haben. Die Pandemie funktioniert dabei als Hintergrund für ein "autofiktionales Puzzle", erfahren wir, der Erzähler reist mit dem Zug nach Providence, um ein letztes Interview mit seinem Mentor Thomas zu führen. Dieses Gespräch soll er mit dem Handy aufzeichnen, das ihm aber unglücklicherweise unmittelbar davor kaputtgeht. Köhler ist beeindruckt von der Fähigkeit Lerners, auf kleinem Raum die Fragen zu eröffnen, was an aus dem Gedächtnis rekonstruierten Gesprächen noch 'original' ist, was Handys und das Verschwinden von Erinnerung miteinander zu tun haben und wie sich dabei auch noch eine komplizierte Familiengeschichte erzählen lässt. Auch Themen wie Sterbehilfe bewältigt Lerner in "pointierten Dialogen" und mit Raum für Verschwiegenes, resümiert die zufriedene Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.03.2026
Knapp, aber äußerst angetan bespricht Rezensent Nico Bleutge den neuen Roman des amerikanischen Autors Ben Lerner, der allerdings nicht unkompliziert klingt: Wir folgen einem namenlosen Dichter nach Providence, wo jener seinen 90-jährigen Mentor Thomas zum Interview trifft. Auf dem Weg dorthin versagt sein Iphone, so dass der Erzähler nur so tun kann, als zeichne er das Gespräch auf. Thomas' Antworten ufern indes in Monologe aus, die wenig mit den Fragen zu tun haben, resümiert der Kritiker. Die Themen, die hier aufgegriffen werden, reichen von Smartphone-Abhängigkeit über psychische Folgen der Pandemie bis hin zum Leben der Ende des 19. Jahrhunderts tätigen Glaskünstler Leopold und Rudolf Blaschka, fährt Bleutge fort. Die eigentliche Kunst des Romans besteht aber in Lerners Vermögen, Sätze und Motive aus verschiedenen Romanteilen in einer Art Traumlogik ineinander zu spiegeln, staunt der Kritiker. Wie die Glaskunst der Blaschkas erscheint ihm dieser von Nikolaus Stingl vorbildlich übersetzte Roman wie ein "Aufzeichnungsinstrument von exquisiter Empfindlichkeit".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026
Rezensent Jan Wiele zeigt sich hocherfreut über diesen Roman von Ben Lerner in der "sehr gelungenen" Übersetzung von Nikolaus Stingl. Der Text über einen Journalisten, der zum Interviewtermin mit seinem betagten Mentor Thomas, der "schillernden Hauptfigur", kein Aufnahmegerät dabei hat, enthält für Wiele viele Facetten und Themen: Digital Detox, eine Campus-Liebesgeschichte, das Lehrer-Schüler-Verhältnis und schließlich auch noch Erziehung. Während des mehrstündigen Interviews werden nun vielfältige Gedankengänge beim Journalisten in Gang gesetzt, "detailversessen" wird das Interieur der Wohnung beschrieben, gleichzeitig kommen Flashbacks aus der Vergangenheit hoch, aber auch zahlreiche Reflexionen über alle möglichen Themen, "sozusagen everything everywhere all at once". Das eigentlich Besondere aber liegt für Wiele im traumhaften Stil des Textes, der ihm wie gespickt mit poetologischen Metaphern erscheint.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026
"Ungemein berührt" zeigt sich Rezensent Felix Stephan von der Klugheit und Poesie in diesem Roman des Amerikaners Ben Lerner. In der Hauptfigur des Romans, einem deutschen Universaldenker mit Hang zum freien Assoziieren, erkennt der Rezensent eine nur leicht fiktionalisierte Version von Alexander Kuge. Wie Stephan erklärt, folgt der Roman einem amerikanischen Autor, der ein letztes großes Interview mit dem todgeweihten Kulturgiganten führen will, dieses aber gehörig verpatzt. Lerners vom Todesmotiv geprägte Prosa scheint beim Rezensenten eine Saite anzuschlagen, sie erinnert ihn an Kafka, spricht ihn aber offenbar auch menschlich und intellektuell an. Am Telefon ließ sich Rezensent Stephan von Kluge derweil versichern, dass er seinen fiktionalen Tod gut weggesteckt und den Roman als "freundschaftliche Geste" aufgenommen habe.