Andrea Winkler

König, Hofnarr und Volk

Einbildungsroman
Cover: König, Hofnarr und Volk
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2013
ISBN 9783552056008
Gebunden, 192 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Lina ist überglücklich: Sie wurde am "Institut für Gedankenkunde und Verstehen" aufgenommen. Und wird so ihrem Wunsch einen Schritt näherkommen, das eigene Denken und Verstehen immer zarter und feiner werden zu lassen. Glaubt sie. Doch in Andrea Winklers Roman ist nichts, wie es scheint: Am Institut geht es offenbar um etwas ganz anderes als um Bildung. Die Sätze der Lehrenden sind voller Widersprüche, voller Ängste, und diejenigen, welche die Macht haben zu sprechen, wissen nicht, was sie sagen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.11.2013

Kristina Maidt-Zinkes hat sich von Andrea Winklers Roman eindeutig mehr erwartet: Von dem "so verspielt wie anspruchsvoll" anmutenden Cover des Buches ist sie ebenso angetan wie von dem Wortspiel im Untertitel "Einbildungsroman". Was sie hinter den Buchdeckeln erwartet, überzeugt Maidt-Zinke allerdings nicht. Zwar gebe es anders als in Winklers sonstigen Büchern hier zumindest Ansätze einer Handlung, die Erzählung aber zeige keinerlei Entwicklung. Schnell wird ihr klar, dass der zunächst pfiffige Titel Büchners "Leonce und Lena" entnommen ist, was ihn für die Rezensentin "entzaubert". Offensichtlich genervt ist sie auch sonst von den ständigen intertextuellen Verweisen und Metaphern, gipfelnd in der penetranten Namensgebung der hochbegabten Hauptfigur Lina Lorbeer.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2013

Eine "bitterböse Abrechnung mit dem literarischen Leben" und dem Dünkel samt der Geistesfeindlichkeit der Geisteswissenschaften sieht Georg Renöckl in Angela Winklers im hohen Maße von Georg Büchner beeinflussten Werk. Dass der Rezensent ganz auf Seiten der Autorin und ihrer Satire steht, daran besteht kein Zweifel: Mit Genuss liest er die Stellen, die den Universitätsbetrieb als Förderer eitler, karrierefixierter Schematiker darstellen und dabei noch das leisten, was dieser eigentlich stützen sollte, aber verunmöglicht: Eine Reflexion über Sprache und den Eigensinn literarischer Werke.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2013

Ihren Rang als form- wie sprachbewusste Autorin kann Andrea Winkler laut Beate Tröger mit ihrem vierten Roman bestätigen. Dafür dass das Buch, das die Autorin in einem imaginären Institut für Gedankenkunde ansiedelt, wo die Hauptfigur eigene nicht konforme Wege des Denkens entdeckt, nicht zur einfachen Satire auf einen opportunistischen Literaturbetrieb wird, steht die Autorin laut Tröger mit ihrem Vermögen, vielstimmig und nachdenklich nach den Ursprüngen des Denkens und Schreibens zu fragen und quasi nebenher einen umgedrehten Bildungsroman zu verfassen, der mit dem literarischen Außenseitertum sympathisiert, wie die Rezensentin offenbar mit Genugtuung registriert.
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