Andrzej Stasiuks Zyklus von zwölf aufeinander bezogenen Geschichten beginnt mit drei wunderbaren Skizzen aus der Kindheit. Es sind kleine Prozessionen, nicht sehr feierlich, aber voll andächtigen Staunens: ein Gang in die Kirche, in die Bibliothek, in den Religionsunterricht. Erste Erkundungen des Magischen und Erotischen in einer unberührten, von Geheimnissen erfüllten Sphäre, in der die Verlockungen, nicht die Katastrophen der Liebe schon zu ahnen sind. Die von Schatten gefleckte Straße aus der Schulzeit führt dann direkt in den Warschauer Underground der siebziger und achtziger Jahre. Dort geschieht nicht viel. Nur dass ein paar junge Leute unentwegt auf der Grenze zwischen Leben und Tod balancieren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2005
In seinem frühen Erzählband beschreibe der Autor Kindheit im Sozialismus und Jugend im Postsozialismus Polens. Rezensent Andreas Breitenstein preist in den Kindheitserzählungen Szenen von "berückender Grazie", wenn der Autor mit den "großen Augen des Knaben" von magischen Orten wie Kirche und Bibliothek erzähle. Schon die Geschlechtertrennung lasse erahnen, was in den schönen Beinen der Bibliothekarin konkretere Form annehme und den Knaben zu "intellektuell verwegenen Lektüren" animiere. Gar nicht begeistert zeigt sich der Rezensent jedoch von den "Etüden", die vom "Versacken jugendlichen Aufbruchs" erzählen. Der Autor setze den "Exzessen" und dem "Brutalismus" der jugendlichen Welt, so der Rezensent, leider keine eigenständige Sprache "entgegen". Der notorische Jugendsound verderbe gewissermaßen die "Melodie" von Stasiuks Prosa. Und es habe sogar den Anschein, vermutet Breitenstein, als ob der Autor "die Krassheit der Szenen" sogar genieße. Andreas Breitenstein genießt sie eingestandenermaßen nicht.
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