Kapitalismus ist weit mehr als eine Wirtschaftsform. Mit seiner Ausbreitung wurden bestehende Macht- und Herrschaftsverhältnisse umgewälzt, Klassengesellschaften bildeten sich. Die Autorin schildert die Entstehung unserer modernen Welt im Spiegel eines konkreten sicht- und fühlbaren Gegenstands: dem Männeranzug. Denn Bekleidung verortet die Menschen in modernen Gesellschaften, markiert ihre Stellung in der gesellschaftlichen Hierarchie. Und das einflussreichste Kleidungsstück der Moderne ist der Männeranzug.
In dieser ausgreifenden transatlantischen Geschichte von Produktion und Konsumtion des Männeranzugs entfaltet das Buch deshalb eine Geschichte moderner Klassengesellschaften.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.01.2017
Hedwig Richter ist nicht überzeugt von Anja Meyerroses Arbeit. Die Widerlegung des Gleichheitsnarrativs in Sachen Herrenanzug gelingt ihr laut Richter schon nicht, weil sie ihr Buch auf eine zu dünne Literaturbasis stellt. "Historische Fehlleistungen" sind so vorprogrammiert, meint Richter, etwa durch die Nichtbeachtung der Genderforschung. Und dass der Anzug weniger die Klassenunterschiede repräsentiert, sondern die ambivalente Geschichte der Moderne, entgeht der Autorin, erläutert Richter. Der Stellenwert der Kleidung allgemein wird in der Studie allerdings durchaus deutlich, findet sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2016
Wie konnte das nur passieren, dass alle Welt nur noch in Leasure-Klamotten herumläuft? Hannelore Schlaffer lernt mit der Studie von Anja Meyerrose die Gründe kennen. Tief in die Geschichte des Herrenanzugs führt die Autorin sie, zeigt die Variationen auf, die das Kleidungsstück erfuhr und revidiert den Mythos darum. Zugleich erzählt die Autorin dabei eine angelsächsische Wirtschafts- und Fortschrittsgeschichte, von Web- und Färbeverfahren, und berichtet letztlich von der Umgestaltung einer ganzen Nation, meint Schlaffer. Das geliingt laut Rezensentin, da Meyerrose den Mann als Konsumenten betrachtet, abhängig von der Textilindustrie. Dass Frauenmode im Buch nicht vorkommt, hält Schlaffer für ergänzungsbedürftig. Aber als Veranschaulichung der Thesen von Stephan Truninger ("Die Amerikanisierung Amerikas"), dass Kleidergeschichte Wirtschaftsgeschichte ist, funktioniert der Band laut Schlaffer gut.
Brigitte Werneburg erfährt bei Anja Meyerrose eine Menge Wissenswertes über die Transformation moderner Klassengesellschaften. Wenn die Autorin die Geschichte des Herrenanzugs von der Uniform bis zum Maßanzug des Gentlemans und dem Anzug von der Stange erzählt, gelingt ihr laut Werneburg aber auch eine Revision der Modegeschichte, indem sie darlegt, dass maßgebliche Veränderungen in der Männermode im gesellschaftlichen Aufstieg der Kaufleute wurzeln. Die Geschichte des bürgerlichen Anzugs betreffend kann Meyerrose der Rezensentin vermitteln, dass es vor allem die englischen Schneider und amerikanischen Fabrikanten waren, die die Entwicklung des Anzugs beeinflusst haben. Auch als Konsum- und Industriegeschichte taugt der Band laut Werneburg hervorragend.
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