Ann Cotten

Poller

Idyllen
Cover: Poller
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518001332
Taschenbuch, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Die als "Poller" gelesenen Stehtexte stecken in einem Botaniksubstrat, das 2009 angelegt wurde: ein innovatives Verfahren im Textrecycling, das Standfestigkeit mit konzeptueller Fruchtbarkeit vereint. "Poller. Idyllen" stellt bukolische Szenen, wie sie Theokrit sammelte, in Medienbildern und Lebenswelten der Gegenwart frei. Details dienen als Zeitstempel und Gelenke zugleich. Geringe Wortspieldichte, hohe Präzision. Im Sinne des Urban Mining ist "Poller. Idyllen" ein Reservoir für die Zukunft, deren Filterfunktion wache Analysen realer Situationen erlaubt, ohne sich mit Mitreisenden in veralteten Fachsprachen unterhalten zu müssen. Die Zweikomponentenpaste der Lyrik wird im Einklang mit der Tradition einseitig aufgetragen, denn "dass die Welt klebrig ist, wissen wir beide".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 24.07.2026

Rezensent Andre Hatting lässt sich gern irritieren von Ann Cottens Idyllen. Schon die Tatsache, dass die Autorin sich Rhythmusstrukturen ausdenkt und damit das klassische Oden-Schema variiert, erscheint ihm als willkommene Abwechslung. Darüber hinaus idealisiert die Autorin nichts, erklärt Hatting. Im Gegenteil: Der Versuch der Verständigung und Orientierung in einer paradoxen Welt wird zur wilden, selbstironischen Assoziation, meint er. Selbstredend jongliert Cotten Zitate und Kryptozitate unterscheidungslos. Lesenswert, findet Hatting.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2026

Rezensent Tobias Lehmkuhl wünscht Ann Cotten einen "Preis für den lustigsten Klappentext": Auf ihrem neuesten Lyrikband heißt es, "Die als Poller gelesenen Stehtexte stecken in einem Botaniksubstrat" und würden "Standfestigkeit mit konzeptueller Fruchtbarkeit" vereinen. Und fruchtbar sind diese Gedichte wirklich, bekräftigt er, auch wenn er sie nicht versteht, aber dass sei bei Cotten eh nicht so wichtig, weil die wuchernden Sprachgebilde doch immer Sinn ergeben, erklärt er. Ob sie nun freie Verse und Sonette sprengt, über Naturphänomene nachdenkt oder politische Proteste, sterbende Fische und das Phänomen, dass alles gleichzeitig passiert: Lehmkuhl lässt sich gerne mitreißen von Cottens Gedichten, die ihm die Welt als Rätsel erhellen, das "Weltall als Grünkohl", und wo "Wärmepumpen beraten über degrowth".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.07.2026

Rezensentin Jette Wiese trifft sich für die taz mit der Lyrikerin Ann Cotten, die eben ihren Gedichtband "Poller. Idyllen" und ihre Poetikvorlesung "Text fur Aliens" veröffentlicht hat. "Die Muße der Fluren zeigt sich nur einem zögernden oder ruhenden Gehirn. Worte sind Deckel für Wunden mit eingebauter Leiter", zitiert sie die Dichterin und gibt damit einen Eindruck, womit man bei Cotten zu rechnen hat. Das schwer verständliche nimmt Wiese der Autorin nicht übel, weil sie die "ständige Suchbewegung" dahinter spürt und den Wunsch, "das Unverstandene zu greifen". Dieses Unverstandene scheint mit ihrer Erfahrung als amerikanisches Kind an einer Wiener Volkshochschule zu tun zu haben. Einen neuen Blickwinkel zu finden, hat sie auch angeregt, den Philosophen Derrida in der japanischen Übersetzung zu lesen, was sie in ihrer Poetikvorlesung beschreibt. Man spürt, dass Wiese Cottens Suchbewegungen sympathisch sind. Greifbarer wird die Autorin dadurch nicht, aber vielleicht ist das gerade der Punkt.
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