Sie ist Patientin auf der geschlossenen Station einer Psychiatrie, leidet an Wahnvorstellungen, hört Stimmen, doch dann gibt es wieder diese Momente völliger Klarheit. Grün, der als Pfleger auf Station arbeitet, ist wie gebannt von dieser Frau. Durch sie scheint er seinen stumpfen Routinen zu entkommen und wagt es sogar, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen. Endlich kann er sprechen, von sich, von dem, wofür er zuvor keine Worte hatte. Und auch wenn der Halt, nach dem er greift, lose ist, könnte diese Frau doch seine Rettung bedeuten. Wäre es denn so fatal, sich näherzukommen? Und wie groß ist die Gefahr, in einem fremden Leben zu verschwinden? "Ungefähre Tage" ist das Psychogramm zweier Menschen im Ausnahmezustand. Wie unter einem Brennglas leuchtet diese Geschichte Machtmissbrauch, Manipulation und menschliche Abgründe aus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2022
Rezensentin Marie Schmidt stellt drei Romane vor, die sich mit der Klinik als "Ort literarischer Freiheit" beschäftigen. Einer davon ist Annika Domainikos Erzählung eines Psychiatriepflegers, der eine schwerwiegende Beziehung zu einer Patientin eingeht, wie die Rezensentin resümiert. Einen "enormen sprachlichen Aufwand" betreibe die Autorin, um die Grenzen zu beschreiben, die der Pfleger täglich übertritt: die Welt der Psychiatrie und der äußeren; die zu wahrende Distanz zwischen Pfleger und Patientin und auch das heteronormative Machtverhältnis zwischen älterem Mann und jüngerer Frau, bemerkt Schmidt. Allerdings stelle die Autorin zu hohe Erwartungen an sich und ihr Thema und überfrachtet die Erzählung mit Randbemerkungen und immer neuen Motiven, wodurch der Roman sein "Charisma" vollkommen verliere, bedauert die Rezensentin.
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