Ernst Augustins Roman "Raumlicht: Der Fall Evelyne B." spielt in einem Zeitraum von vier Stunden und stellt minutiös eine Behandlungsszene dar, in welcher der Psychiater eine schizophrene Patientin durch ein inneres Labyrinth geleitet. So entsteht im klinischen Milieu das alte Orpheusthema neu: Die Geschichte vom Mann, der hinabsteigt, um die geliebte Frau heraufzuholen. Dieser Roman, 1976 zum ersten Mal erschienen, ist nicht nur, was sein Thema anbelangt, ein Klassiker, sondern auch ein moderner Abenteuerroman der Seele.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2006
Rezensentin Beatrice von Matt hält viel von diesem Roman, dessen Neuausgabe sie deshalb sehr begrüßt. Allerdings tadelt sie den edierenden Verlag dafür, den Roman im Verlagsprospekt nicht deutlicher als Neuausgabe gekennzeichnet zu haben. In der Geschichte der schizophrenen Protagonistin und ihres Arztes machen gerade die widersprüchlichen Erfahrungen der Hauptfiguren, das überzeugende Ineinander von Satire und Groteske für Matt den Hauptreiz aus. Aber auch die Begabung des Autors zu dichten Beschreibungen, seine explodierende Fantasie und suggestiven Beschreibungen ferner Länder, durch die die therapeutische Reise der Protagonistin führen, erzeugen insgesamt eine intensive Grundstimmung, welche die Rezensentin fesseln und begeistern konnte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.10.2004
Dorothea Dieckmann begrüßt es sehr, dass dieser 1976 entstandene Roman von Ernst Augustin "endlich" wiederaufgelegt worden ist. Sie stellt den Autor als "ewig jungen Wilden" vor, der sich von den Autoren der Gruppe 47, denen er altersmäßig zuzurechnen ist, durch seine Kritik an deren "etablierter Poetik" abhob. Der Roman "Raumlicht: Der Fall Evelyne B." handelt von einem Psychiater und seiner schizophrenen Patientin, erklärt die Rezensentin, die das Buch als "kleines Meisterwerk" feiert. Hier findet sich alles, was die besondere Qualität des erzählerischen Werks Augustins ausmacht, "Tiefe, Verspieltheit, Hintergründigkeit und Tollkühnheit", schwärmt Dieckmann. Dabei macht sie als besonderen erzählerischen Dreh aus, dass der Psychiater, der auch der Erzähler dieser Geschichte ist, den Leser in seine "Trickkiste" blicken lässt, ohne ihm die "Verwirrung" zu ersparen. Er wird durch den psychischen "Innenraum einer Schizophrenen" geführt und findet sich in einem faszinierenden "E.-T.-A.-Hoffmannschen Vexierspiel" wieder, in dem der "Wahn als Wirklichkeit" Geltung beansprucht, betont die begeisterte Rezensentin, die dieses Buch als "großen Roman" preist.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…