Dietrich Geyer stellt die Anfänge der neuzeitlichen Psychiatrie in Deutschland dar. Zwei miteinander verflochtene Entwicklungslinien treten dabei hervor: die eine führt von der Erfahrungsseelenkunde Berliner Kantschüler über die psychische Heilkunde der romantischen Medizin zur naturwissenschaftlich fundierten Psychiatrie. Die andere führt von den Narrenkästen der mittelalterlichen Städte über die Zucht- und Tollhäuser des aufgeklärten Absolutismus zu den Heil- und Pflegeanstalten des neunzehnten Jahrhunderts. Die Schlusskapitel werfen Blicke auf die Psychiatrie im 20. Jahrhundert, auf Psychiatriereform, neue Ansätze der Sozialpsychiatrie, die neuartige psychiatrische Pharmakotherapie und die noch utopisch erscheinenden Möglichkeiten einer personalisierten Medizin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.10.2014
Ein spannendes Thema, dessen sich Dietrich Geyer in "Trübsinn und Raserei" annimmt, findet Sylvia Staude: "Die Anfänge der Psychiatrie in Deutschland", wie das Buch im Untertitel heißt, erzählt anhand ihrerer bedeutendsten Persönlichkeiten wie Johann Christian Reil, Wilhelm Griesinger und Albert Zeller, bietet der Rezensentin eine unterhaltsame und anregende Lektüre. Zumals sich der Autor als "feiner, erfrischender Stilist und sorgfältiger Schreiber" erweist, wie Staude anerkennend feststellt. Gerade für Laien ist das Buch gut verständlich, worin allerdings auch die einzige Schwäche liegt, die die Rezensentin auszusetzen hat: dass nämlich die Personalisierung bisweilen in "kaum belegbare Charakterisierungen" abschweift.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2014
Was der Historiker Dietrich Geyer in seinem Buch über die Anfänge der Psychiatrie zu sagen hat, überzeugt Martina Lenzen-Schulte nicht. Vieles hat sie woanders schon verständlicher gelesen, anderes scheint ihr vom Autor bloß angelesen. Dass die Psychiatrie von den Ärzten anfangs eher als praxisferne Kopfgeburt gehandhabt wurde, erfährt die Rezensentin bei Geyer zwar, doch vermisst sie Deutungen dieses Phänomens, zu dem der Autor lediglich Namen und Kurzbiografien beisteuert. Eine zusammenhängende Ideengeschichte, Ausführungen zur Theorieentwicklung oder wenigstens Begriffserklärungen fehlen Lenzen-Schulte ebenfalls im Buch, das ihr gegen Ende gar den Duktus einer Patientenbroschüre anzunehmen scheint, auf kaum nachvollziehbare Weise kompilierend und stilistisch "inkonsistent".
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