Klappentext

Herausgegeben von Susanne Fischer. Mit zahlreichen Vierfarbfaksimiles. Der Krieg und dessen Auswirkungen werden im Werk von Arno Schmidt häufig zum Thema. Nie jedoch hat er sich in seinen Romanen mit den eigenen Kriegserfahrungen auseinandergesetzt. Zwei Erzählungen aus dem Nachlass vermitteln einen Eindruck, wie die Sprachmacht des Autors die Gewalt des Krieges in die Anschaulichkeit transponiert. "Brüssel" kommt als einzig überliefertem Dokument zu Arno Schmidts eigener Kriegserfahrung besondere Bedeutung zu. Geschrieben 1948, erzählt es vom Kriegsende im englischen Gefangenenlager Villevoorde bei Brüssel, wie es der Autor selbst erlebt hat. "Die Feuerstellung", die einzige, allerdings unvollendete Erzählung Arno Schmidts, die unter Soldaten spielt, wurde 1955 geschrieben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.05.2002

Für den bekennenden Schmidt-Fan Kurt Scheel ist der Misanthrop Schmidt ein "Geliebter Kotzbrocken" und der zweifellos "Sprachmächtigste seiner Zeit". So versteht es sich fast von selbst, dass Scheel von den jetzt erschienenen frühen Fragmenten "Brüssel/Die Feuerstellung" hellauf begeistert ist. Schon die edle Aufmachung des Bandes - Faksimiles von gut zwanzig Seiten handschriftlichem Text und einem halben Hundert Notizzettel - lässt sein Herz höher schlagen. Dass die Umschrift "diplomatisch genau" erfolgt, ist für Scheel "nicht übertrieben"; zudem werde es die Schmidt-Fans freuen. Die Lektüre der beiden Fragmente gewährt nach Scheel einen aufschlussreichen Einblick in die Werkstatt des Meisters: "Es ist lehrreich zu sehen, wie souverän der angehende Autor seinen Text bearbeitet, verbessert und zumeist: abkühlt", schreibt Scheel. Bei der Erzählweise der Texte fühlt sich Scheel an Schmidts "Leviathan" erinnert. Er hebt hervor, dass schon in dem frühen Fragment "Brüssel" (1948) "der ganze Schmidt" enthalten ist: der besserwisserische Held und Erzähler, ebenso wie die Gespräche über Gott, die Welt und vor allem die Literatur, sowie die berühmt-berüchtigte Schmidtsche Misanthropie. Das ist auch das Stichwort zu einigen biografischen Anmerkungen Scheels zu Schmidt, dem "Kotzbrockenmonument". Doch Kotzbrocken hin, Kotzbrocken her: Schmidt läutert uns nach Ansicht Scheels "schon durch die Kraft seiner Sprache". Zudem gelingt es Schmidt, so der Rezensent drastisch, "aufs Trefflichste darzustellen, was ihm der Mensch war und was er wohl auch ist: ein Gemisch aus Scheiße und Mondschein".