Atef Abu Saif

Leben in der Schwebe

Roman
Cover: Leben in der Schwebe
Sujet Verlag, Bremen 2025
ISBN 9783962021436
Taschenbuch, 456 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Der etwa 60 jährige Naîm ist Inhaber eines Copy-Shops, in dem Poster von Gefallenen ("Märtyrern") produziert werden. Als er im Jahr 2011 durch einen Blindgänger getötet wird, entsteht zwischen seinem Sohn Salmân, und seinem Neffen Nasr, eine Debatte, ob Naîm Held oder Opfer ist - eine Grundsatzdebatte, die das ganze Buch durchzieht. Später kommt es zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung des Lagers und der Gaza-Verwaltung, als es um die Bebauung des Hügels geht, auf dem u.a. Naîms Haus steht. Diese Zusammenstöße zeigen den Versuch der Gesellschaft, sich gegen die wachsende Machtclique zu wehren, die sich nicht scheut, auch die Religion mittels mehr oder weniger Gewalt in ihre Dienste zu nehmen. Dieser Roman ist im Original 2014 erschienen. Er steht also in keinerlei unmittelbarem Zusammenhang mit den Ereignissen in Gaza und anderswo in Palästina/Israel seit Anfang Oktober 2023.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2025

Rezensentin Lena Bopp telefoniert mit dem palästinensischen Schriftsteller Atef Abu Saif, der aus Gaza floh und aktuell an einem italienischen Hochschulinstitut forscht. Wozu verrät die Kritikerin nicht - und über Politik möchte Abu Saif nicht sprechen. So geht es im Wesentlichen um den Roman, auf Arabisch bereits 2014 erschienen, der mit elf Jahren Verspätung nun erst auf Deutsch verfügbar ist. Erzählt wird die Geschichte Naim, der einen Copyshop in Gazan besitzt, Poster von sogenannten Märtyrern druckt und von einem israelischen Scharfschützen getroffen wird. Darüber hinaus geht es um eine nicht näher benannte Hamas-ähnliche Miliz und den Umgang der Bevölkerung in Gaza damit: In "archetypisch" angelegten Figuren begegnen Bopp hier Mitläufer, Aufsteiger, Nationalisten - alles Menschen, über die der Autor nicht richtet, wie die Kritikerin erklärt. Nicht zuletzt blickt die Rezensentin hier auf die Geschichte von Gaza-City, in der Menschen aus unterschiedlichsten Milieus in einem "komplizierten Sozialgefüge" zusammenleben und ein jeder seinen Weg zu finden versucht: Ins Ausland, in den sogenannten Widerstand oder ins Gefängis.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.01.2025

Dieser Roman ist zwar im arabischen Original bereits 2014 erschienen, aber nach wie vor hochaktuell, versichert Kritikerin Claudia Kramatschek: Der palästinensischer Autor Atef Abu Saif nimmt den Anfang beim Tod seines Protagonisten Naim Wardani, der im Gazastreifen gelebt hat und von einem "israelischen Sniper" erschossen wird. Daraufhin entfaltet sich bei Saif die ganze schwierige Geschichte des Gazastreifens von Nakba, Widerstand gegen die israelische Besatzung, Märtyrertum und Hamas, berichtet Kramatschek, die von Saifs lebensnahen Schilderungen sehr überzeugt ist. Aber vor allem beschreibe Saif die Machteroberung durch die Hamas, von der viele Palästinenser auch finanziell profitierten. Dabei vermittelt er ein klares Bild, ob und wie man im Gazastreifen leben kann, ohne zu werten, lobt sie.

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