S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN
9783103977684 Gebunden, 240 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Hamzas Kindheit ist geprägt von dem Duft von Jasmin und Schießpulver - er wächst auf an einem Ort, den es so nicht mehr gibt: Gaza. Als Kind sammelt er mit seinem Vater Muscheln am Strand, erlebt aber auch tagtäglich den blutigen Einfluss der Hamas auf die Menschen, die dort leben. Jahre später protestiert er dagegen, er wird verhaftet, gefoltert und muss schließlich fliehen. Seine Stimme hat er nicht verloren, immer wieder äußert er sich kritisch gegenüber Extremismus auf beiden Seiten - eine wahre Geschichte von Verlust, Mut und der ungebrochenen Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 12.06.2026
Als "Gegenteil von Propaganda" bezeichnet Rezensent Carsten Hueck das Erinnerungsbuch des palästinensischen Autors Hamza Abu Howidy. Anschaulich und eingängig schildert Howidy darin seine Kindheit und Jugend im von der Hamas kontrollierten Gaza, seine Entwicklung vom indoktrinierten Nationalisten und gläubigen Muslim zum kritischen Denker, der jede vermeintliche Gewissheit hinterfragt, jeden alten Glaubensatz, mit dem er aufgewachsen ist und der heute an ihn herangetragen wird. Und genau das zeichnet dieses Buch und diesen Autor aus, so Hueck: Er bleibt kritisch gegen alle verfestigten Positionen, dekonstruiert Vorurteile in alle Richtungen, verweigert sich jeglichem Schwarz-Weiß-Denken und ruft andere immer wieder dazu auf, dasselbe zu tun - einander zuzuhören. Er tut dies, ausgerüstet nicht nur mit dem nötigen theoretischen Wissen, sondern auch mit der praktischen Erfahrung eines Menschen, der in Gaza aufgewachsen ist, dort gelebt hat, von dort geflüchtet ist und heute geduldet in Deutschland wohnt. "Muscheln am Strand von Gaza" liefert somit beides: Die kritische Außenansicht als auch eine facettenreiche Innenansicht Gazas und der realen Lebensverhältnisse dort. Somit ist das Buch vielleicht nicht nur Gegenteil, sondern auch Gegengift zur Bekämpfung der Propaganda, zur Entgiftung von jeglichen Stereotypen und Dogmen, so der Rezensent.
Johanna Adorjan porträtiert in der SZ den palästinensischen Friedensaktivisten Hamza Abu Howidy, einen der wenigern Palästinenser, der sich noch im Gazastreifen deutlich gegen die Hamas aussprach und jetzt seine Geschichte in einem Buch erzählt. "Als palästinensischer Friedensaktivist steht er zwischen den Fronten. Von der einen Seite wird er umarmt und zu Interviews und Vorträgen geladen - endlich: ein Palästinenser, der sich gegen die Hamas ausspricht! Der anderen Seite gilt er als israelfreundlicher Verräter, er hat Morddrohungen erhalten. 'Manchmal fühle ich mich wie der einsamste Palästinenser auf der Welt', schreibt er in seinem Buch." Unser Resümee
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