Bela Zsolt

Eine seltsame Ehe

Roman
Cover: Eine seltsame Ehe
Neue Kritik Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783801503550
Gebunden, 368 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Angelika Mate. An einem trüben, verschneiten Dezembertag wird ein Kind geboren - so die Rahmenhandlung des erstmals 1936 in Budapest erschienenen Romans. Während seine Frau in den Wehen liegt, ruft sich Viktor sein Leben in Erinnerung: die Kindheit in dem bürgerlichen jüdischen Elternhaus, die tyrannische Mutter,die Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg. Vor allem aber legt er Zeugnis ab über seine unausgewogene Ehe mit Helen, die er bedingungslos liebt, obwohl diese ihn nur des Geldes wegen geheiratet hat und einen anderen liebt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.06.2002

"Eine seltsame Ehe" wurde bereits 1935 geschrieben, der Schriftsteller und Journalist Béla Zsolt ist in Deutschland erst spät entdeckt und übersetzt worden, weiß die Rezensentin Sigrid Scherer. Für sie ist dieser Autor ein "vorzüglicher Beobachter und brillanter Stilist", einer, der, wie sich in seinen lange vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geschriebenen Romanen zeigt, seiner Zeit in seinem Denken und Erahnen der Entwicklungen weit voraus gewesen ist. Scherer ist erstaunt, wie leicht und unterhaltend sich "Eine seltsame Ehe" liest, obwohl es im Grunde ein schwermütige Buch sei. Die Rezensentin vergleicht die Einsamkeit, die alle Bereiche des Lebens, aber besonders die Ehe von Zsolts' Hauptfigur charakterisiert, mit der Erfahrungswelt in Michel Houellebecqs Prosa. Schade nur, dass die Rezensentin, wie viele andere ihrer Kollegen übrigens auch, sich dazu hinreißen lässt, den Romaninhalt nahezu vollständig nachzuerzählen und dem Leser damit viel von der Spannung des von ihr so gelobten Buches zu nehmen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2002

Dies ist nicht der beste Roman von Bela Zsolt, gibt Rezensent Lazlo Földenyi zu. Aber "bemerkenswert" sei er allemal. Das liegt vor allem am Thema: Es geht um "das Ende einer großen Illusion", so Földenyi. Nämlich um den Glauben, dass Assimilation den Juden im Ungarn der dreißiger Jahre Sicherheit geben würde. Sicherheit vor Verfolgung, vor neuen Pogromen, vor der "Rassenpolitik" der Nazis. Verknüpft ist dies mit Zsolts Überzeugung, dass das Ende des Liberalismus jedoch nicht nur eine Sackgasse für die Juden, sondern auch für die Ungarn sein würde. Womit er ja vollkommen recht hatte. Erzählt wird die Geschichte eines jüdischen Anwalts, der am Weihnachtsnachmittag 1935, während er darauf wartet, dass seine Frau niederkommt, sein Leben Revue passieren lässt. Er erinnert sich an seine Mutter, eine "beispiellose Tyrannin", seine Frau, die ihn nur des Geldes wegen geheiratet hat, seine "eigene Feigheit". Kurz: Er findet in seinem Leben nur "Hässliches und Kleinliches". Doch mit jüdischem Selbsthass, wie ihn Otto Weininger auszeichnet, hat das nichts zu tun, versichert Földenyi. Dafür sei die Hauptfigur zu tragisch, ihr Leid mache sie "reicher und menschlicher". Am Ende schöpfe der Anwalt Hoffnung. Ein Kind wird heute geboren, warum sollten nicht bessere Zeiten anbrechen. Doch das Kind stirbt bei der Geburt. Und erst hier, am Schluss, sieht Földenyi den Roman umkippen ins "Melodram". Dennoch hat man als Leser der Rezension den Eindruck, dass sich die Lektüre in jedem Falle lohnt.

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