Bernhard Schlink

Sommerlügen

Geschichten
Cover: Sommerlügen
Diogenes Verlag, Zürich 2010
ISBN 9783257067538
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Lebensentwürfe, Liebeshoffnungen, Alterseinsichten was ist Illusion, und was stimmt? Was bleibt, wenn eine Illusion zerplatzt? Die Flucht in eine andere? Weil das Leben ohne Lebenslügen nicht zu bewältigen ist?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.09.2010

Gepflegt und entspannungsfördernd, wenn auch nicht unbedingt literarisch wertvoll, findet Kristina Maidt-Zinke diesen Erzählungsband. Keine politischen Altlasten belasten die Protagonisten, keine materiellen Sorgen oder extreme Gefühlslagen, höchstens Sinnkrisen, ausgelöst durch Krankheit oder Tod, schreibt die Kritikerin. Alle seien weich ins gleiche Milieu einer gut gepolsterten Weltläufigkeit eingebettet, in dem Maidt-Zinke auch die Leser Bernhard Schlinks vermutet. So erscheinen ihr die an der angelsächsischen Tradition geschulten Erzählungen über Liebesverstrickungen, Beziehungsprobleme und Familienkonflikte wie eine "standesgemäße Lektüre" für Reisende im Erste-Klasse-Abteil oder Urlauber auf der Terrasse eines Hotels der gehobenen Kategorie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.08.2010

Jörg Magenau ist hin- und hergerissen von diesen Sommer-Erzählungen von Bernhard Schlink. Einerseits schätzt er den Autor als handwerklich verlässlichen Erzähler mit gut dosierter sprachlicher Einfühlsamkeit und moralischem Anspruch. Einem, der mit den vorliegenden kürzeren Texten zudem "seine" Form gefunden zu haben scheint, wie Magenau findet. Andererseits verspürt der Rezensent beim Lesen all der skrupulösen Lebensbilanzen und Seelennöte aus der Welt des Jetsets in diesen Texten mitunter so ein unangenehmes Brigitte-Literatur-Gefühl. Pfui, ungerecht, nimmt sich Magenau flugs selbst zurück. Wirklich versöhnt mit den vielen Trivialitäten scheint er am Ende dennoch nicht zu sein. Er vermisst einfach die echt nietzscheanische, existentielle Dimension des Zweifels.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2010

Nicht mal an den Strand mag Wiebke Porombka diesen Band mit Erzählungen des einstmals großen Bernhard Schlink mitnehmen. Schlinks tiefsinnig gemeintes "Stererotypengeklapper" würde ihr noch den schönsten Sonnentag verdunkeln. Dass der Autor sein Dauerthema der Vergangenheitsbewältigung hier einmal weniger politisch, angeht und statt RAF und Holocaust das Amouröse und Familiäre verhandelt, mag für die Rezensentin noch durchgehen. Schlinks Figurenpsychologie aber erscheint ihr dann doch etwas zu fadenscheinig, ja bisweilen sogar denunziatorisch. Richtig auf die Nerven geht der Rezensentin Schlinks Hang zu dramatischer Exklamation, wo eigentlich nur ein Klischee ist.
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