Bert Papenfuß

Rumbalotte

Gedichte 1998-2002
Cover: Rumbalotte
Urs Engeler Editor, Basel 2005
ISBN 9783905591965
Gebunden, 160 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Zeichnungen von Ronald Lippok. Bert Papenfuß ist wieder da: nach einigen Jahren Abstinenz vom Literaturbetrieb, die er gewinnbringend in die Veranstaltungsreihen des Berliner Kaffee Burgers und in diverse Zeitschriftenprojekte investierte, legt er einen neuen Gedichtband vor, in dem der ausgestreckte Mittelfinger die Musik macht: "wo andere gut kirschen essen / fahre ich am liebsten schlitten". Die einen an-, die andern aufzuregen ist die Mission dieser Räuberpistolen und Seeräubersongs, Anarchie ihre Botschaft, Stabreim und Knittelvers sind ihre Mittel, aber auch das dunkle und trunkne Wort, Rotwelsch und Platt, Kalauer und KO-Schläge, Slam und Slang, der Freibeuterei zur Freude und dem Kapital zum Trotz.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2005

Zunächst erinnert sich Michael Braun gerne an das furiose Debüt des ostdeutschen Dichters Bert Papenfuß: Seine "poetische Dekonstruktion der etablierten Sprachordnung" nach dadaistischem Brauch sei nicht von der Politrhetorik der untergehenden DDR zu trennen gewesen, die eingeforderte "Ästhetik der Dissidenz" habe als sprachliches Instrument des Widerstands nicht nur bei den Dichterkollegen für Provokationen gesorgt. Nach der Wende habe sich der Protest des wortmächtigen Lyrikers vom Prenzlauer Berg auf die turbokapitalistischen Verhältnisse kapriziert, was ihm besonders virtuos im Langgedicht "Graf Pymorski dreht am Rad der Geschichte" gelungen sei. Umso bedauerlicher findet der Rezensent die politische Phraseologie des neuen Rumbalotte-Bandes, die jeglichen "sprachspielerischen Schwung" vermissen lasse. Die sonst so artistische Handhabung unterschiedlichster Idiome wie "Rotwelsch, Argot und Seeräuber-Shantys" verkomme hier zu "seitenlangen Gesinnungs-Sentenzen", die einen Anarchismus propagierten, der sprachkünstlerisch ohne Reiz bleibt.
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