Bettina Wohlfahrt

Wagfalls Erbe

Roman
Cover: Wagfalls Erbe
Osburg Verlag, Hamburg 2019
ISBN 9783955101800
Gebunden, 445 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Viktor Wagfall weiß, dass er nicht mehr lange leben wird. Mit einer Mischung aus Sentimentalität und spleeniger Selbstvergewisserung, die das Altwerden mit sich bringen kann, setzt er sich Mitte der neunziger Jahre jeden Tag an den Schreibtisch, um ein nie erzähltes Geheimnis vor dem endgültigen Vergessen zu bewahren. Wer war Isidor Schweig? Vor und während des Zweiten Weltkriegs lebte Wagfall unter eben diesem Namen als Gemäldefälscher in Paris und fertigte virtuose Kopien von Malern wie Courbet, Renoir, Bonnard oder Matisse an. Nach der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 arbeitet Viktor Wagfall zwar offiziell bei der Reichsbahn in Paris, richtet sich aber, um weiterhin malen zu können, ein geheimes Doppelleben ein. In seiner Freizeit verschwindet er als Maler Isidor Schweig in einem Atelier am Montmartre. Viktor Wagfall schildert in seinen allzu späten "Confessions", die er Aufzeichnungen eines melancho¬lischen Kunstfälschers nennt, was in jener Zeit auf dem Pariser Kunstmarkt passiert, von der Zusammenarbeit mit korrupten Nazi-Kunsthändlern und vom "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg", der im Jeu de Paume die geraubte Kunstbeute der jüdischen Sammlungen zusammentreibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2019

Rezensentin Katharina Rudolph feiert den Debütroman der Übersetzerin, Autorin und FAZ-Kollegin Bettina Wohlfahrt, der die Kritikerin direkt in Woody Allens "Midnight in Paris" katapultiert. Derart romantisch gestimmt folgt sie dem Maler und Kopisten Isidor Schweig durch das Paris des Jahres 1936 von Galerie zu Café, um bald feststellen: In dem Roman verbirgt sich eine brillant recherchierte, tiefgehende und fesselnde Raubkunst-Story. Jener Isidor nämlich arbeitete in den 1940er Jahren unter seinem eigentlichen Namen Viktor Wagfall als Oberinspektor der Reichsbahn und sorgte nicht nur für den ordnungsgemäßen Transport von Raubkunst, sondern auch für die Bereitstellung jener Züge, die tausende Menschen nach Auschwitz deportierten. Auf dieses Doppelleben lässt die Autorin nicht nur Isidor/Viktor in den Neunzigern selbst zurückblicken, sondern in einem dritten Handlungsstrang auch dessen Tochter Karolin, die die Tagebücher des Vaters Jahre später auf dem Dachboden findet. Wie Wohlfahrt Schuld und Zerrissenheit des Mannes, der mit Nazis ebenso wie mit jüdischen Kunsthändlern agierte, schildert, findet die Kritikerin ebenso bewegend wie "atmosphärisch dicht".
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