Betty Paoli

"Ich bin nicht von der Zeitlichkeit"

Ausgewählte Werke
Cover: "Ich bin nicht von der Zeitlichkeit"
Residenz Verlag, Salzburg 2024
ISBN 9783701717972
Gebunden, 224 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Karin S. Wozonig. "Soll die Stellung der Frauen sich bessern, so muß vorerst der heillose Grundsatz aufgegeben werden, ein Mädchen wisse genug, wenn es sich nur einen Mann zu erobern verstehe." (Betty Paoli) Einst war Betty Paoli im ganzen deutschen Sprachraum berühmt für ihre leidenschaftliche Lyrik, die zeitgenössische Kritik stellte sie auf eine Stufe mit Annette von Droste-Hülshoff. Paolis Gedichte wurden in Schulbücher aufgenommen und heute erleben sie auf Lyrikportalen im Netz ein Revival. Als erste Berufsjournalistin Österreichs verfasste Paoli scharfsinnige und unterhaltsame Kritiken zu Kunst, Literatur und Theater, war meinungsbildend im Kulturbetrieb und Vorbild für die nächste Generation schreibender Frauen. Ihre Essays erschienen in den wichtigsten deutschsprachigen Zeitungen und wurden lebhaft diskutiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2025

Einer "frühen Feministin im kulturellen Männerkartell der Zeit" begegnet Rezensent Paul Jandl in Karin S. Wozonigs Biografie. Dass die Paoli-Expertin neben der Lebensgeschichte der Dichterin und allerersten Journalistin auch eine Auswahl ihrer Texte veröffentlicht hat, ist eine "doppelte Wiedergutmachung" dafür, dass Betty Paoli von der Literaturgeschichte weitgehend vergessen wurde. Ihrer Lyrik hat Paoli die "Lizenz zur Tragik" erteilt, erkennt der Kritiker und zitiert: "Wohl steh' ich einsam in dem Weltgewühle, / Wo keine Brust sich an die meine legt." Paoli zeigt sich aber auch als scharfe Kritikerin ihrer überheblichen männlichen Kollegen und erkennt gleichzeitig Talent an, wo es wirkliches gibt, zum Beispiel bei Annette von Droste-Hülshoff. Ihrer Novelle "Anna", in der sie das Schicksal einer von ihrem Mann ins Verderben gestürzte Frau verhandelt, attestiert Jandl außerdem hohes literarisches Niveau. Was für eine moderne Frau in einer unmodernen Zeit, staunt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2025

Interessiert liest sich Rezensentin Rose-Maria Gropp durch diese Sammlung von Texten - Gedichten, Feuilletons, einer Novelle und anderes - Betty Paolis, einer Autorin aus der bürgerlichen Gesellschaftsschicht des österreichischen 19. Jahrhunderts. Gropp zitiert einige Gedichte Paolis, die das Geschlechterverhältnis der Zeit teils erstaunlich klarsichtig analysieren, ohne freilich offen für Frauenemanzipation Stellung zu beziehen. Außerdem hebt sie die Novelle "Anna" hervor, die im realistischen Gestus erzählte Geschichte einer Frau, die sich in einer unglücklichen Ehe einem herrschsüchtigen Mann unterordnen muss. Auch Essays, die die Themen der ersten Frauenbewegung aufgreifen, liest die insgesamt von der Veröffentlichung angetane Rezensentin mit Gewinn.

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