Birgit Althans` Expedition in die Kulturgeschichte des Klatsches zeigt, dass Klatsch - ob in der Firma oder am Gartenzaun - genauso wie der Genuss, stets dem rationalen Zugriff entzogen bleibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.10.2000
Unterhaltsam, aber nicht geschwätzig untersucht Franziska Meier die Klatsch-Geschichte der Pädagogin Birgit Althans. "Sehr flott" findet sie das Buch geschrieben und von hoher Aktualität. Die Autorin habe sich sogar so sehr dem Klatsch gewidmet, dass Form und Inhalt ihrer Darstellung verschmölzen, bemerkt die Rezensentin süffisant. Mit Verwunderung stellt sie allerdings fest, dass Althans einerseits versucht, dem Klatsch seine Geschlechtsspezifik zurückzugeben, nach der Frauen irrational tratschen, Männer aber rational. Andererseits versuche sie aber genau das als "historisches gender-Konstrukt" zu entlarven. Etymologisch leite sich Klatschen von Waschen ab und habe seinen Ursprung in den Waschtagen, zu denen sich die Frauen getroffen hätten. Arbeit und Klatsch gehörten demnach zusammen. Letzterer habe sich an den Flecken in den Laken entzündet. Der männliche Klatsch sei dagegen unter dem Einfluss der protestantischen Ethik entstanden, schreibe die Autorin, um sich dann in der englischen Kaffeehauskultur zu verlieren. "Wissenschaftlich oder rational gesehen" komme Althans` Diskurs ebenfalls einem Sprechen bei der Arbeit gleich, resümiert die Rezensentin.
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