Aus dem Serbischen von Brigitte Döbert. Vom "Stall" über "die Straße" zum "Garten" führt der eigenartige Weg eines namenlosen Ehepaars in mittleren Jahren. Der Stall ist eine großbürgerliche, aber vermüllte Wohnung in irgendeiner europäischen Stadt des vergangenen Jahrhunderts. Umgeben von Zeitungen und wuchtigen Möbeln, dreht der Ehemann darin ab und zu mit dem Fahrrad eine Runde durch den Flur und sinniert über das Leben, die Frau kocht, fegt und näht wortlos Knöpfe an. Eines Tages durchbrechen sie die Routine, flüchten ins Ausland und finden sich mit nichts als einem überdimensionalen leeren Pappkoffer auf der Straße wieder. Dort werden sie von der Polizei aufgegriffen, die ihre Sprache nicht versteht und sie überfordert abschiebt. So landen sie im Garten, dessen Besitzer, Professor Daumer, Helfer für die Spargelernte braucht. Wie der Lehrer des berühmten Findelkindes Kaspar Hauser bringt er seinen Schützlingen anhand der Botanik eine neue Sprache bei. Doch eine Geheimoperation, die unbemerkt im Hintergrund abläuft, endet abrupt in einem Fiasko. Bora Ćosić hat mit "Operation Kaspar" einen hintersinnigen Roman geschrieben, der den alten Migrantentraum von Bildung und einem besseren Leben gnadenlos zerplatzen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2022
Rezensent Jörg Plath ahnt, dass Bora Cosic in seinem nun auf Deutsch zu lesenden Buch von 1998 das Schicksal des Exils thematisiert. Das Wie scheint den Rezensenten durchaus zu entzücken. Denn wie Cosic die Welt zunächst auf eine mit Erinnerungen vollgestopfte Wohnung und auf Frau und Mann reduziert, wie er die beiden Figuren nah am Stumpfsinn balancieren lässt, aufgehellt nur von sarkastischen auktorialen Bemerkungen, das findet Plath in seiner Parabelhaftigkeit lesenswert. Wenn das Paar schließlich mit Gepäck "nach Norden" aufbricht, wo man die beiden leider nicht mehr versteht, ist der Höhepunkt des Konkreten auch schon erreicht, meint Plath.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.02.2022
Rezensent Roland Zschächner bekommt einen Eindruck von den Ursachen für Migration und dem Schicksal Geflüchteter mit diesem Roman von Bora Cosic aus dem Jahr 1998. Kammerspielartig, essayistisch und assoziativ schildert der Autor laut Zschächner den schwierigen Alltag seiner beiden Protagonisten am Rand der Gesellschaft. Wie dabei immer wieder das Allgemeine im Besonderen aufscheint, das Gesellschaftliche im Individuellen, findet der Rezensent reizvoll, zumal Cosic auf eine Moral der Geschichte verzichtet.
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