Was gehört für Sie zu einem gemütlichen Abend - Rotwein und Kerzen? Oder Fernseher, Chips und Bier? Vielen gilt Gemütlichkeit als Synonym deutschen Spießertums, mit röhrenden Hirschen und geblümten Ohrensesseln. Die Autorin spürt der "Gemütlichkeit" aus Sicht der Alltagskulturforschung nach. Sie klärt die Entstehungs- und Begriffsgeschichte des bürgerlichen Kulturmusters der Gemütlichkeit und schildert auf Grundlage zahlreicher Interviews, was alles zur Gemütlichkeit gehört - von den Accessoires über die Atmosphäre bis hin zur persönlichen Befindlichkeit. Dabei bietet sie überraschende Einblicke in eine vermeintliche Selbstverständlichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.11.2003
Zu einem entspannten Abendessen, das zumindest ist jetzt statistisch erhärtet, gehören zwei bis sechs Personen. Aha. Und Gemütlichkeit ist "letztlich nur bedingt planbar", denn das "spontane Empfinden" spielt eine große Rolle. Nun gut. Das hätte Rezensentin Andrea Rinnert sich auch noch selbst denken können. Aber warum ist das so? Genau hier setzt ihre Kritik an: Auf diese Frage gibt die Habilitationsschrift von Brigitta Schmidt-Lauber ebenso wenig Auskunft wie darüber, inwiefern Gemütlichkeit von soziologischem Interesse sein könnte. Statt dessen sieht sich die Rezensentin einem "Datenhaufen" gegenüber - "hier aufgeschichtet mithilfe einer äußerst fragwürdigen Methodologie". Dabei wäre doch gerade im Zeitalter boomender Arbeitslosigkeit und also steigender Freizeitzeiten eine Untersuchung über die Gestaltung der privaten Momente nicht uninteressant gewesen. Die Wissenschaftlerin jedoch hat lieber "Pingpong-Dialoge" mit ihren Probanden geführt, als das Thema "Gemütlichkeit" mit neuer Relevanz auszustatten. In ihrem Fazit stellt die Autorin fest, sie sei "auf Eintönigkeit und Stereotypie getroffen, wo sie doch Buntheit und Individualität erwartet habe". Leider muss die Rezensentin das auch von ihrer Lektüre dieses Buchs sagen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2003
Andreas Platthaus scheint dieses Buch, eine Habilitationsschrift einer ernsthaften Auseinandersetzung nicht für wert gehalten zu haben. Am Schluss des Buches heißt es, wie wir erfahren: "Gemütlichkeit kann damit insgesamt sowohl als Ausdruck der Verweigerung gegenüber gesellschaftlichen Normen und Zwängen als auch ihrer Anerkennung gelesen werden." So ist es dann wohl ironisch gemeint, wenn Platthaus an einer Stelle immerhin lobend erwähnt, die Autorin habe sich an die "Aufarbeitung" des Themas Gemütlichkeit "erfreulicherweise" nicht mit Hilfe von "bequemen Thesen", sondern mit Hilfe harter Fakten, also empirisch begeben. Dabei findet der Rezensent es zudem offenbar ziemlich lächerlich, dass die Autorin sich zu diesem Zweck von den Schülern mehrerer norddeutscher Gymnasien "schriftliche und bildliche Darstellungen von Gemütlichkeit" erbeten hatte.
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