Aus dem Französischen von Claudia Brede-Konersmann. Die Berufung auf das Recht wird mit jedem Tag wichtiger. Umgekehrt gibt es kaum empirische Untersuchungen darüber, wie juristische Entscheidungen ganz alltäglich zustande kommen. Bruno Latour legt nun eine Studie darüber vor, wie das Recht auf seine Weise hervorbringt, was wir "Gesellschaft" nennen.
Wegen der strengen Fachlichkeit der Materie bleibt das Recht gewöhnlich den professionellen Juristen vorbehalten. Die Soziologie glaubte sich einer näheren Beschäftigung damit entledigen zu können, indem sie auf Machtverhältnisse verwies, die durch das Recht lediglich verborgen würden. Wie dann aber das Recht analysieren? Man kann sich nicht einerseits außerhalb des Rechts stellen und sich des Jargons der Fachleute enthalten und sich andererseits innerhalb seiner Praxis bewegen, um seine besondere Form der Objektivität und Wahrheit zu erfassen. Bruno Latour entwickelt in seinem Buch hingegen eine ethnografische Methode, die einen behutsamen Ausgleich zwischen distanzierter Beobachtung und engagierter Teilnahme zum Programm macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2016
So interessant wie schludrig findet Rezensent Christoph Möllers die Feldstudien, die der französische Wirtschaftstheoretiker Bruno Latour in den neunziger Jahren im französischen Conseil d'Etat betrieb. Das liegt zunächst an der Übersetzung, die Latours ausschweifenden Ton zwar gut einfängt, die juristische Fachsprache aber gelegentlich bis zur "Stilblüte" entfremdet, meint der Kritiker. Wenn Latour den Leser wie in einem literarischen Reisebericht durch den Palais Royal führt, Personen vorstellt, Dialoge aus den Sitzungen anonymisiert wiedergibt und schließlich kommentiert, erhält der Rezensent einen spannenden und "plastischen" Eindruck von der Arbeitsweise im Pariser Staatsrat. Dass Latour allerdings gleich eine allgemeine Theorie des Rechts verfassen will, die er jedoch lediglich am Modell des mit der Politik eng verbundenen Conseils ausführt, findet der Kritiker irritierend. Darüber hinaus bedauert Möllers, dass Latour einige hellsichtige Gedanken nicht weit genug ausführt und in "Bonmots" enden lässt.
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