Friedrich Schillers Todestag jährt sich im Mai 2005 zum 200. Mal - ein Jubiläum, das die üblichen publizistischen Feierlichkeiten und Weihen nach sich zieht. Burkhard Müller will den Untiefen der Jubiläumsliteratur entgehen. Weder lässt er Schiller ein weiteres biografisches Begräbnis erster Klasse zuteil werden. Noch tut er ihn als "Idealisten" ab, also als sympathischen Spinner. Stattdessen geht er von dem aus, was Schillers Größe ausmacht: der leidenschaftlichen Sprache des Dichters, in der er seine Bühnenfiguren erschafft und sie zu ihren Taten vorantreibt. Wie in seinem dramatischen Werk lässt Schiller sich auch in seinen philosophischen und historischen Schriften vom szenischen Sprachdenken fortreißen, halsbrecherisch kommen seine Thesen daher; sie gleichen Verschwörungen des Geistes, wobei der ausgefuchste Plan immerfort durch die kühne Improvisation überholt wird.
Christoph Türcke hat bei Burkhard Müller mit einigem Vergnügen gelernt, "wie das dramatische Feuer bei Schiller entflammt", und wie man sich als Leser dafür begeistert, anstatt wie üblich ratlos vor dem Klassiker zu stehen. Eine Grunderkenntnis Müllers: Nämliches Feuer räumte bei Schiller nach und nach der "Förmlichkeit" das Feld - vom "Fiasco" zum "Don Carlos". Paradebeispiel der förmlichen Dichtung, die der Autor dennoch nicht gering geschätzt wissen möchte: die Balladen, deren populäres Überleben sich das "unwillkürliche Gedächtnis" zu Nutze macht. Und noch einiges mehr an Erkenntnis steckt in Müllers Buch, versichert Türcke, der seinen "Gedanken- und Metaphernreichtum" lobt und "Kurzweil" beim Lesen verspricht.
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