Viele um das Recht kreisende Äußerungen Schillers sind längst klassisch. Berühmt ist die Geschichte vom Verbrecher aus verlorener Ehre, dessen Tragik darin besteht, dass sich das Strafrecht nur für seine Taten interessierte, nicht aber für das Leben, das ihn unheilvoll dazu gedrängt hat. Überall in Schillers Dramen sind Rechtsfragen von Bedeutung: In den Räubern und im Fiesco spielt er gleichsam mit Modellentwürfen, die in ihrer genialischen Zuspitzung die Phantasie, auf die das Recht sehr wohl angewiesen ist, in Gang setzen. In Wilhelm Tell treffen Gerechtigkeit und Macht im Rahmen eines klar definierten Widerstandsrechts zusammen. Auch Kabale und Liebe ist in der Scheidung von Recht und Unrecht eindeutig. In Don Carlos treten drei unterschiedliche Rechtspositionen gegeneinander an. In Wallenstein und Maria Stuart werden die Ambivalenzen und Paradoxien des Rechts offenbar, wenn Schiller die Frage stellt, welchen Einfluss die Legitimität einer Herrschaft auf die Legalität ihrer Praxis hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.04.2005
Für Klaus Lüderssens Publikation über "Schiller und das Recht" kann sich der Rezensent Dieter Borchmeyer im Rahmen seiner Mehrfachrezension zu neuen Schiller-Büchern nicht erwärmen. Er mokiert sich beispielsweise darüber, dass Lüderssen sich allein auf Schillers dramatisches Werk beziehe und dessen rechtshistorisch erhellende Prosaschriften ignoriere. Außerdem fällt dem Rezensenten unangenehm auf, dass der Autor nicht verbergen kann, wie wenig er als Jurist den Umgang mit literarischen Texten gewohnt ist und wie unbeholfen er demzufolge mit ihnen zu arbeiten versteht.
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