Carys Davies

Ein klarer Tag

Roman
Cover: Ein klarer Tag
Luchterhand Literaturverlag, München 2024
ISBN 9783630877709
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Eva Bonné. Eine einsame Shetlandinsel. Zwei Männer aus unterschiedlichen Welten. Eine zerbrechliche Freundschaft. Dies ist eines der Bücher, die man unmöglich vergisst.Es ist ein kalter Sommertag 1843, als John Ferguson nach einer stürmischen Überfahrt die kleine, karge Insel im Nordmeer erreicht. Für einen Monat ist der verarmte Pfarrer von der schottischen Freikirche hierhergeschickt worden, um Ivar, den letzten verbliebenen Bewohner, von der Insel wegzuschaffen. Im Auftrag des Gutsbesitzers soll er den großen, stillen Mann samt seinen wenigen Habseligkeiten mit dem nächsten Schiff nach Aberdeen bringen, von seinem Zuhause verjagen. So wie all die Schafbauern in den Highlands, die im Zuge der "Clearances" bereits alles verloren haben. Trotz moralischer Bedenken hat der idealistische Ferguson diesen Auftrag angenommen. Seine Frau Mary indes befürchtet, dass ihr Mann nicht von dieser Reise zurückkehren könnte. Zu naiv, zu weltfremd, zu gutgläubig ist er. Und tatsächlich stürzt Ferguson schon kurz nach seiner Ankunft von einer Klippe und verletzt sich schwer. Er ist dem Mann ausgeliefert, den er von dem Eiland vertreiben soll. Und dessen Güte Fergusons Gewissen vor eine schwierige Entscheidung stellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.01.2025

Rezensentin Sylvia Staude bewundert, wie gemächlich und behutsam Carys Davies ihre kleine Geschichte entwickelt. Wie ein Gutsbesitzer einen einsamen Inselbauern mithilfe eines Pfarrers verjagen will und scheitert, da Pfarrer und Bauer sich näher kommen, erzählt Davies laut Staude mit viel Sinn für ein dunkles Kapitel der schottischen Geschichte und für das ausgestorbene Norn und dessen mannigfachen Begriffen für Wolke und Wind. Spektakulär ist das nicht, meint Staude, aber atmosphärisch dicht und genau beobachtet, was die Regungen des Herzens angeht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.01.2025

Ein dichtes und beziehungsreiches Buch, das doch ganz leise und sanft daherkommt: So beschreibt Rezensentin Undine Fuchs Carys Davies' Roman, in dessen Zentrum zwei Männer und eine Frau stehen. Die Männer begegnen sich, lesen wir, auf einer Insel, ein junger Pfarrer namens John landet hier, weil er deren Pächter, einen Schäfer namens Ivan, verscheuchen soll, auf dass das Land anders genutzt werden kann. Seine Frau Mary wiederum ist nicht auf der Insel, er hat jedoch eine Fotografie dabei, die sie zeigt. Die Technik ist neu, die Handlung spielt im Jahr 1843. Ivan verliebt sich in die Unbekannte. In diese Konstellation, die aus der Perspektive aller drei Figuren entworfen wird, spielen außerdem historische und mediale Kontexte mit hinein, fährt Fuchs fort. Ökonomische und religiöse Spannungen werden ebenso verhandelt wie die Rolle der Sprache oder auch der Sprachlosigkeit für die Liebe. Hört sich etwas anstrengend an? Der Eindruck täuscht, stellt die sehr angetane Rezensentin klar, Davies schreibt in einer reduzierten Sprache, die auf schöne Weise die einsame Inselwelt evoziert und trotz aller die Handlung prägenden Aufregungen viel Ruhe ausstrahlt.

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