Mit der aufschneiderischen Lügengeschichte um Schelmuffsky führt Christian Reuter das Genre der Kleinbürgersatire weiter. In einer Art sozialer Umkehrung machte Reuter. in seinem letzten Stück einen heruntergekommenen Adeligen zum Gegenstand seiner satirischen Zeitdiagnose.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.05.2012
Reuters dem prallen Leben, also Wein und Weib zugewandte Schelmereien aus dem 17. Jahrhundert sind längst "germanistische Pflichtlektüre", weiß Olaf Velte, und auf jeden Fall ein "Meisterwerk", das nicht nur die damalige Mode der Reiseliteratur aufs Korn nimmt, sondern als "Sittengemälde" auch gleich die Gesellschaft. Ruhm und Ehre haben sie dem Leipziger Theologiestudenten zwar nicht eingebracht, berichtet der Rezensent in einer ausführlichen Schilderung des bewegten Lebens des Autors, dem bereits vor der Abfassung des "Schelmuffsky" einige zu nahe an gewissen Leipziger Bürgern gehaltene, burleske Theaterstücke Haftstrafen im "Studentencarzer" einbrachten und von dessen Ende gleich gar nichts bekannt ist. Nur den stetigen Wiederentdeckungen einiger umso emphatischerer Kenner im Laufe der Literaturgeschichte sei es überhaupt zu verdanken, dass man sich auch heute noch, was Olaf Velte nur zu gerne tut, Reuters Sätze "hinter die Ohren" schreiben kann.
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