Wie viel historische Wahrheit muten wir uns zu? Können Rekonstruktionen authentisch sein? Wie viel "Fake" wollen wir ertragen? Was geschieht in einer simulierten Realität mit dem Menschen? Meist sind die Vorstellungen von historischer Wirklichkeit so weit entfernt von der Wahrheit, wie es der "echte" Orient von den Fantasien des Schriftstellers Karl May war, auf den der Titel des Buches anspielt. Wir müssen die Geschichtsverliebtheit unserer Epoche nicht gutheißen. Als Phänomen aber sollten wir sie ernst nehmen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2010
Mehr Intelligenz, Mut und Qualität beim Entwerfen, Bauen und Begründen des Neuen fordert der Rezensent! Andreas Tönnesmann ist überzeugt, dass sich so dem inszenierten Zurechtbiegen des Vergangenen, der Rekonstruktion von Geschichte beikommen ließe. Das Buch von Christian Welzbacher ist ein Schritt in die richtige Richtung, meint Tönnesmann. Wenn er vieles von dem, was der Fachautor zum Thema der architektonischen Rekonstruktion, der gebauten Geschichtsbilder hier anbietet, auch schon irgendwo gelesen oder gehört zu haben meint. Welzbachers Sachverstand, sein Engagement, seine Ursachenforschung mit entlegenen Beispielen, seine kritische Einlassung auf Sehnsucht nach Orientierung gebenden Bildern - das alles ist richtig und wichtig, findet der Rezensent. Bloß: ein paar neue Impulse, neue Argumente, meint Tönnesmann, täten der Diskussion auch ganz gut. Gegen den gezwungenen Titel hat er offenbar nichts einzuwenden.
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