Christoph Peters

Der Sandkasten

Roman
Cover: Der Sandkasten
Luchterhand Literaturverlag, München 2022
ISBN 9783630874777
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Christoph Peters hat einen Roman geschrieben, wie es ihn seit Wolfgang Koeppens "Das Treibhaus" nicht gegeben hat: eine schonungslose Bestandsaufnahme der politischen Kultur eines ganzen Landes. Siebenstädter hat schon alles gesehen. Als Moderator einer Politsendung im Radio kennt er sich aus mit den Spielregeln der Berliner Spitzenpolitik, dem Schattenreich der Hinterzimmer, mit der Gnadenlosigkeit eines Betriebs, dem es nur um Machterhalt geht. Siebenstädter ist so beliebt wie berüchtigt, einer, der an gar nichts glaubt und sich prädestiniert fühlt, die Lügen der Eliten aufzudecken. Mit der Coronakrise jedoch verändert sich das Spiel: Siebenstädter hat ebenso Zweifel an den staatlichen Maßnahmen wie Abscheu gegenüber Verschwörungsgläubigen. Unerwartet erhält er das Angebot der Liberalen, die Seiten zu wechseln, während Maria Andriessen, aufsteigender Stern der Sozialdemokratie, sich mehr für ihn zu interessieren scheint, als es bei einem verheirateten Mann angemessen wäre. Vor allem aber spürt Siebenstädter, dass seine Zeit langsam abläuft - warum also nicht alles auf eine Karte setzen?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.10.2022

Rezensent Christoph Schröder ist hin und weg von Christoph Peters' Roman. Meisterhaft umgesetzt scheint ihm Peters' im Coronajahr 2020 angesiedelte Beschreibung des Berliner Politikbetriebs und Medienzirkus durch die Augen des mittelalten, als scharfzüngiger Radiomoderator begannt gewordenen Familienvaters Kurt Siebenstädter, der mittlerweile als Reaktionär betrachtet wird. Erinnert fühlt sich der Kritiker hier an Koeppens "Das Treibhaus", und wie Peters nun Berlins "erregte Erschöpfung" in einem "kalkuliert nervtötenden" Strom beschreibt, in dem sämtliche Gegenwartsschlagwörter (Trump, Querdenker) und -Persönlichkeiten (Lindner, Drosten) zusammencollagiert werden, findet der Kritiker höchst effektvoll und erzähltechnisch versiert. Dabei bewundert Schröder die ausgezeichnete Beobachtungsgabe des Autors sowie die Fähigkeit, die Fallen der Thematik gekonnt zu umgehen - so nehme er zum Beispiel den Vorwurf, einen "larmoyanten Midlife-Crisis-Roman" geschrieben zu haben, vorweg, indem er ihn "permanent mitdenkt", so der begeisterte Kritiker - wie genau, macht er dabei allerdings nicht ganz deutlich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2022

Christoph Peters verwehrt sich politischen Deutungen seines Romans. Rezensent Thomas Thiel macht da nicht mit: Hinter den Geschichten von Corona-Politik, Journalismus und tagespolitischer Debatte kann er klar Akteure wie Wolfgang Kubicki und Karl Lauterbach erkennen. Es geht in "Der Sandkasten" um einen Journalisten, der sich zu allen Seiten kritisch äußert und sich damit nicht nur Freunde macht. Das erzählt Peters nicht so aufgeladen wie sein explizit genanntes Vorbild Wolfgang Koeppen, erkennt Thiel, ihm gefällt aber der ironische, für Spannung sorgende Unterton. Dem Rezensenten ist die Geschichte manchmal etwas zu nah an der Realität, doch die Skepsis, mit der Peters erzählt, sagt ihm zu.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.09.2022

Rezensent Markus Decker bewundert die Messerschärfe, mit der Christoph Peters in seinem für den Rezensenten unschwer erkennbar an Koeppens "Das Treibhaus" von 1953 angelehnten Roman die Berliner Politikerkaste von Kubicki bis Spahn zeichnet. Ob Lindner oder Lauterbach, alle kriegen ihr Fett weg, freut sich Decker. Im Zentrum des Buches aber erkennt er einen in den politischen Betrieb verstrickten Radiomoderator auf dem Drahtseil der Political Correctness. Die Berliner Politik - eine Schlangengrube der Intrigen? Dem Roman nach zu urteilen, auf alle Fälle, meint Decker.

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