Illustriert von Phillip Janta. "Es war dunkel unter Deck, und draußen schon Abend, nur eine kleine Kerze brannte, und wir lauschten auf die Geräusche der S-Bahnen und Nahverkehrszüge, die hin und wieder über die Brücke und den Bahndamm fuhren. Sehr langsam und mit einem Zischen, das wohl von der Hydraulik der Bremsen kam, aber bei geschlossener Luke und im Licht der Kerze klang es wie das Zischen und Fauchen alter Dampflokomotiven. Weiter hinten war noch eine Bahnstrecke, über die rumpelten nachts die Güterzüge. Ich wusste, dass sie auch am Tag fuhren, aber man konnte sie erst richtig hören, wenn die Straßen leer waren." Eine Story von Clemens Meyer, die es in sich hat. Der Erzähler ist in seine Stadt zurückgekehrt. Einiges hat sich radikal verändert, vieles ist so, wie es schon immer war. Träume sind zerschellt, Träume sind geblieben. Man spricht über früher, man schweigt, man verschweigt. Und dann klingelt es an der Tür, böse und aggressiv. Aber man ist vorbereitet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2013
Als kleine Schwester des neuen großen Romans bezeichnet Andreas Platthaus diese über einen langen Zeitraum als Auftragsarbeit für die Connewitzer Verlagsbuchhandlung entstandene kurze Erzählung von Clemens Meyer. Der Text aber hat es in sich, hören wir. Laut Platthaus liegt das am gekonnten Wechsel der Zeitebenen, vermittels dessen die Geschichte - eine Rachesache - im Buch entfaltet wird. Sowie an Meyers erzählökonomischem Können, seine Geschichte in nur einer Nacht aus nur einer Perspektive heraus zu entwickeln. Den Ort Leipzig und die nahen Industrieruinen kennt Platthaus ebenfalls aus dem Roman. Was ganz neu und für den Rezensenten überraschend gut mit dem Text zusammengeht, sind die im Band enthaltenen Schwarzweißillustrationen des Cartoonisten Phillip Janta. Platthaus eröffnen sie die Topografie der Erzählung und setzen das Geschehen "meisterlich" ins Bild.
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