Die Geschichte schien an ein Ende gekommen, als Fredi Linden verhaftet wurde. Wollte er tatsächlich das Völkerschlachtdenkmal in die Luft jagen? In der Obhut einer staatssichernden Institution begann der knorzige Sprengmeister zu erzählen: vom Schicksal seiner geliebten Stadt Leipzig seit den Kämpfen gegen Napoleon, von großer Historie und kleinen Helden, von seinem Leben in zwei Weltkriegen und unter gegensätzlichen politischen Systemen. Seine trüben Aussichten: DDR auf ewig. Doch dann kam Bewegung in die Sache. Demonstranten zogen montags über den Leipziger Ring, die Mauer fiel, alles sortierte sich neu: Viel Stoff, auch viel Zündstoff für den alten Fredi Linden. Also berichtet der streitbare Chronist weiter, von Marxköpfen und Wendehälsen und ganz neuen Kämpfen im Schatten des wuchtigen Denkmals. 1984 erschien der große Roman "Völkerschlachtdenkmal". Ihn hat Erich Loest in seine Neufassung einbezogen, um von nunmehr zwei Jahrhunderten deutscher Geschichte zu erzählen am Beispiel Lindens wie seiner eigenen Heimat, der Stadt mit dem Löwen im Wappen
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2009
Für Sabine Brandt schreibt Erich Loest mit diesem Roman sein Projekt einer Protokollierung historischer Abläufe um den "Schicksalsort" Leipzig fort. Einen Zeitraum von rund 200 Jahren, von der Völkerschlacht 1813 bis heute, umfasst der Roman und ist laut Brandt getragen sowohl von der alten Loestschen These von der politischen Unbedarftheit der Leipziger, als auch von der Überzeugung, dass die Geschichte daran Mitschuld trägt. Die Botschaft des Textes ist für Brandt eine von Zweifeln an der Kraft des Widerstands getragene, wenngleich nicht völlig pessimistische. Exemplarisch an der aus früheren Texten des Autors bekannten Figur des Fredi Linden sieht sie Loest die Spannung zwischen Hoffnung (auf Einsicht und politische Klugheit) und Bedrohung durch die Verhältnisse weit ausbreiten, gründlich, doch ohne zu verurteilen.
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