Corinna Soria

Leben zwischen den Seiten

Cover: Leben zwischen den Seiten
Wieser Verlag, Klagenfurt 2000
ISBN 9783851293272
Gebunden, 161 Seiten, 14,21 EUR

Klappentext

Der Debütroman Corinna Sorias führt uns in die kindliche Erlebniswelt von Zoe, in die unvorbereitet die psychische Erkrankung der Mutter einbricht. Zoe verteidigt trotzig ihr Verlangen nach Normalität und Kindheit gegen geheimnisvolle Einflüsterer, die die Mutter durch eine feindlich-bedrohliche Umwelt hetzen. Der Widerstand des Kindes richtet sich auch gegen eine verständnislose und aburteilende Umgebung und deren Schuldzuweisungen katholischer Prägung. Indianerliteratur und Lyrik, speziell die Gedichte von Rückert, sind dabei Zoes Wegbegleiter. Das Lesen wird zum Überlebenstraining und Gegenentwurf zur unerträglichen Lebenssituation. Soria erzählt lakonisch und distanziert, treibt den Leser rasant entlang der Grenzen des "Realen" und "Normalen", deren Festschreibung sie ihm selbst überläßt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.03.2001

Hans-Peter Kunisch bespricht zwei Werke der Romanistin, die unter dem Pseudonym Corinna Soria veröffentlicht. Man muss schon beide Werke lesen, meint der Rezensent, um die Autorin besser zu verstehen. Denn das eine sei ihr Leben früher, das andere ihr Leben jetzt.
1) Corinna Soria: "Leben zwischen den Seiten"
Geschichten über unglückliche Kindheiten in der österreichischen Provinz gibt es eigentlich genug, meint Kunisch. Aber Sorias Geschichte ist für den Rezensenten unverwechselbar. Denn sie hat keine "klassisch lamentierende Kinder-Leidensgeschichte" verfasst, sondern die autobiografisch angelegte Geschichte der Beziehung zwischen einer an Schizophrenie erkrankten Mutter und ihrer Tochter, die zum Schutzschild der Mutter gegen die bedrohliche Welt wird. Sehr geschickt verstehe es die Autorin, die Perspektiven zu wechseln. Mal erzählt die Tochter als Kind, mal rückblickend als Erwachsene. Der "schillernd pathetischen Sprache" wird so immer wieder eine überraschende Beweglichkeit verliehen, denkt der Rezensent. Das Debüt der 1962 in Salzburg geborenen Autorin hat Kunisch überrascht. Ihn beeindruckt vor allem die Sprache, mit der Soria versuche, zum Geschehenen Distanz zu finden.
2) Corinna Soria: "Briefe nach Welfare Island. Lyrik von 1985 bis 1995"
Mit einen Teil ihrer Gedichte ist Soria in eine alte Sprache eingetaucht und hat so Erstaunliches hervorgebracht, findet Kunisch und denkt dabei an den "kühlen Pathos" von Ingeborg Bachmann. So ganz will er aber Soria nicht mit Bachmann vergleichen. Ihr Pseudonym Soria sei vielmehr eine Hommage an den spanischen Dichter António Máchado, der lange Zeit in der Provinzstadt Soria gelebt hatte, informiert der Rezensent. Besonders gut hat ihm das erste Gedicht des Bandes gefallen, eine Liebeserklärung an den Emigranten Albert Ehrenstein. Ein Text voller "rhythmisierter Brüche", den Kunisch aber in sich so schlüssig findet, als habe man ihn nur so schreiben können.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000

Der Verdacht ist der Rezensentin Andrea Köhler gekommen, da der Autorinnenname ein Pseudonym ist, könnte auch die Erzählung selbst eine Erfindung sein, die sich aus der `Trachtendiele einer nationalsozialistisch ferngesteuerten Nachkriegs-Kindheit` bedient. Und da das Geschehen in Salzburg spielt ordnet es sich für Köhler weiterhin ein, nämlich in die `Tradition Salzburger Errregungslitaneien`. Aber sie hat sich dann doch eingelassen auf den Text über eine Kindheit unter dem heillosen Druck einer wahnsinnigen Mutter, die schließlich weggesperrt und das Kind `abtransportiert` wird. `Überlebt` hat das die Erzählerin/Autorin durch den `Atem und Trost` der Bücher - Gedichte, Karl May, egal was. Und in die `Schule` all dieser Bücher ist nun auch die Sprache der Autorin gegangen, sie singt, heult, klagt wie sie, schreibt Köhler. Die anfängliche Skepsis der Rezensentin mündet zum Schluss in die Erkenntnis, dass es gerade der `Echoraum` des Erlebten am Ende ist, der diesem Debüt trotz aller Mängel Überzeugungskraft verleiht; es ist vielleicht nicht so schick, dagegen aber `rebellisch existenziell`, urteilt Andrea Köhler.

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