Wie tritt das Machen an die Stelle der Macht? In den neuen Gedichten von Dagmara Kraus weiß die Poesie, die im Wortsinn ein Gemachtes ist, Einspruch zu erheben gegen die gegenwärtigen Vormachtstellungen autoritären Sprachgebrauchs. In diesen fein gewebten Gedichten wird die schlecht eingerichtete Welt kurzerhand noch einmal neu gemacht und erdacht. Alles beginnt im Paradies, bei der adamitischen Ursprache, deren Zipfel abzubeissen ist. Neue Sprach-Lampen und Gigantenlichter werden entzündet, Plansprachen erfunden und angewandt, Blueouts, Reparaturen und Moritaten arbeiten an einer Verbesserung der herrschenden Grammatiken. Nicht zuletzt ist das Buch auch ein ganz praktischer Survival-Guide: Wer den täglichen Kampf mit der Deutsche Bahn, der Post und anderen deutschen Idyllen überleben will, der findet hier die nötigen poetischen Strategien und "thetischen Lanzen".
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.02.2026
Großes Vergnügen bereiten dem hier rezensierenden Dichter Nico Bleutge die "schillernden Sprachorakeleien" von Dagmara Kraus! So wild experimentiert Kraus mit unterschiedlichen Sprachen, Slang, aber auch mit Sprachschnipseln von Reklamen oder Ortsschildern, dass der Kritiker manchmal mehrmals hinsehen muss, bis er ihre Verse versteht. Besonders gefällt ihm ein Gedicht names "geschenkideen", das auf einer wahren Begebenheit beruht: Als die Dichterin versehentlich einen Rollstuhl an ihre Hildesheimer Universitätsadresse gesendet bekommt, inspiriert sie das zu einem ironischen Sprachspiel mit dem körperlichen Verfall: "darniedersacktse, die dankmar dagbar, die erzrit- / terinliche kräusin". Deutliche Einflüsse von Ilse Aichinger und Oskar Pastior kann Bleutge hier feststellen. Vielleicht nicht so stark wie ihr letzter Band, aber in jedem Fall unbedingt lesenswert, resümiert der Kritiker.
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