Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751810449 Gebunden, 170 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Am Anfang war nicht das Licht, sondern der Schuhmacher, die Wehen der Mutter, das pochende Herz: "du - dum / du - dum". Was aber bleibt von all dem, wenn die Katastrophen und Wunder des 20. Jahrhunderts sich einschreiben in den Körper, die Familie, das Herz? Was erwächst aus Sprache, Erinnerung, aus den Fotoalben? Dana Rangas Genesis 51-52 ist ein Buch der Anfänge, der Fluchten und Brüche. Es ist der poetisch-dokumentarische Versuch, der eigenen Geschichte zwischen "SS und Jesus", Morphium und Liebesbriefen, zwischen Fluchtkarren und Flugzeugfenstern auf die Spur zu kommen und den Trümmern der europäischen Geschichte die Stimmen der Vorfahren abzulauschen, sie zu beschwören, zum Sprechen zu bringen. Was daraus entsteht, ist weniger fragmentarische Genealogie als in Verse gegossene Genesis - eine Schöpfung aus Worten, ein radikal zärtlicher Ursprungstext über Herkunft, Verlust und die Macht der Sprache.
Rezensent Enno Stahl bekommt mit dem Band der Lyrikerin Dana Ranga eine interessante, aber nicht ganz einfache Lektüre. Wie die Autorin rumänische Geschichte mit der Geschichte ihrer Familie verzahnt, "abgerissen, staccatohaft", verschlüsselt, bereitet Stahl als "westsozialisiertem" Leser mitunter Verständnisschwierigkeiten. Es geht um das Leben in zwei Diktaturen, Rangas Eltern und Großeltern und ihr Tun unter den Nazis und unter Ceausescu, um Privatmytholgien und die Umwälzungen in Osteuropa, erläutert Stahl. Familienfotos legen dazu eine eigene Spur, so der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2026
Rezensent Björn Hayer bewundert die rumänische Dichterin Dana Ranga für ihr Durchhaltevermögen. Die Familiengeschichte, der die Autorin in Versen folgt, ist laut Hayer reich an Gewalt, politischer wie privater Art: Von den Fluchterfahrungen der Nazi-Zeit über die Ceausescu-Diktatur bis hin zu einer frühen Herz-OP reicht die "Chronik des Schreckens" in den Texten, die Ranga mit Leerstellen und Fragmenten "wie einen Thriller" arrangiert. Hayer spricht von einer "kleingehackten Sprache", mitunter reduziert zur bloßen Aufzählung des Grauens. Bewegend und schonungslos, findet der Rezensent, dem die Möglichkeit einer religiösen Lesart nicht entgeht, auch wenn es das titelgebende Kapitel in der Bibel gar nicht gibt. Am Ende triumphiert die Poesie, freut sich Hayer.
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