Heinrich Detering

Wrist

Gedichte
Cover: Wrist
Wallstein Verlag, Göttingen 2009
ISBN 9783835305199
Gebunden, 77 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

"Seine Gedichte sind faszinierend wie seine Essays", schrieb Helmuth Nürnberger über Heinrich Deterings Band "Schwebstoffe". Die neuen Gedichte erkunden Metropolen und entlegene Landschaften und vergewissern sich ihrer Geschichte. Lakonisch und neugierig vermessen sie die Welt zwischen Berlin und Boston und dem Borgo-Pass in den Karpaten, wo die Hunde als Wölfe in die Wälder zurückkehren. Sie begleiten einen Luftschiffer in Oxford auf einer Zeitreise und lassen Dutschke, Duce und Dubcek in einem Vers zusammentreffen, sie sehen Chuck Berry den Blues spielen und gehen den sterbenden Piraten der Schatzinsel nach ins Unbekannte. Formbewusst und mit großer Leichtigkeit halten diese Verse die Schwebe zwischen Alltäglichem und Metaphysik, zwischen romantischer Sehnsucht und Spielwitz.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.11.2009

Den hier praktizierenden Lyriker Heinrich Detering kennt man aus unzähligen Literaturkritiken, die er meist für die FAZ schreibt, und er ist Professor für Neuere Deutsche Literatur in Göttingen. Hier dichtet also ein Fachmann. Seine neuen Gedichte finden das Lob des Rezensenten Hans Herbert Räkel. Er lobt ihre Leichtigkeit, die aber nicht immer ungefährdet ist. Manches gerate Detering meisterhaft, wie etwa das titelgebende Gedicht "Wrist", das einen kleinen Ort in Schleswig-Holstein als ein "Zwischenreich aus Himmeln und aus Mooren" charakterisiert. In manchen Gedichten verspürt Räkel eine Prise Eitelkeit - allerdings bei weitem weniger als in einem ersten Gedichtband Deterings, der vor fünf Jahren erschien. Hier verbindet sich für Räkel formale Meisterschaft mit elegantem Gestus und zuweilen sogar politischer Aussage.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2009

Sandra Richter sieht sich in ihrer Kritik von Heinrich Deterings Gedichtband "Wrist" an die besonders in der Romantik gepflegte "Andachtsästhetik" erinnert. Allerdings stellt sie erleichtert fest, dass sich der Autor mit poetischer Zurückhaltung und gewohnter "Chuzpe" durch dieses unter Kitsch- und Sentimentalitätsverdacht stehende Gebiet schlägt. Seine Gedichte handeln von der säkularisierten Welt, vom Reisen, Altern und Tod und schließlich auch von den "letzten Dingen", pflegen aber einen derartig "schnoddrigen" Ton, dass hohles Pathos gar nicht aufkommt, wie Richter befriedigt erkennt. "Wrist", ein kleiner norddeutscher Ort im Moor, der dem Band den Titel gegeben hat, steht dabei für eine bestimmte "Sichtweise und Daseinsform", erklärt die Rezensentin. Darin nähert sich der Lyriker, Kritiker und Literaturwissenschaftler nicht nur unerschrocken der "Sünde" als notwendigem Widerpart zum Sakralen, es bereitet ihm auch keine Schwierigkeiten, Chuck Berry mit Rilke auf die Bühne seiner Lyrik zu stellen, wie sie vergnügt konstatiert. Und so "kurzweilig" lässt sich Richter "Andacht" gerne gefallen, wie sie preist.
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