DBC Pierre

Das Buch Gabriel

Roman
Cover: Das Buch Gabriel
Eichborn Verlag, Frankfurt 2011
ISBN 9783821861524
Gebunden, 378 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Kirsten Riesselmann. "Wir werden alle zu Grunde gehen, ob uns das gefällt oder nicht. Lassen wir es uns gefallen." In seinem neuen Roman zeigt uns der Träger des Booker Prize DBC Pierre unsere Gegenwart, als hätten Burroughs, de Sade und David Foster Wallace sich zusammengetan: als letztes großes Gelage. Gabriel Brockwell, als Idealist und Alltagsphilosoph dem Alkohol und den Drogen nicht abgeneigt, hat genug vom Leben. Er beschließt, sich umzubringen, doch halt: nicht sofort. Vorher will er es noch einmal richtig krachen lassen. Seine Reise führt ihn von einer englischen Entzugsklinik nach Tokio, wo er eine Nahtoderfahrung in einem japanischen Restaurant hat, und weiter nach Berlin, wo ein orgiastisches Bacchanal in den Katakomben des Flughafens Tempelhof stattfinden soll - immer dem Genuss verpflichtet, auf der Suche nach dem ultimativen Kick. Mit dem Leben fertig und doch noch nicht tot: Gabriel ist im Zwischenreich der endgültigen Gedanken...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2011

Der Plot dieses Romans überzeugt den Rezensenten Tobias Döring nicht: Ein 25-jähriger drogenabhängiger Weltverächter aus London beschließt, sich vor seinem Selbstmord noch einmal exzessiv zu vergnügen, nachdem er die Vereinskasse seiner antikapitalistischen Aktionsgruppe gestohlen hat. Dabei jettet er von London zunächst nach Tokio, um schließlich in Berlin den perfekten Ort zum Feiern und Sterben zu finden, wie wir erfahren. Die Story haut den Kritiker also nicht vom Hocker; ebensowenig aber tut dies die aus der Ich-Perspektive erzählende Hauptfigur, die Döring für unglaubwürdig hält. Ermüdend an dieser "Lebensmüdengeschichte" seien außerdem die sich gegen Ende häufenden "Dekadenzbezeugungen", während die "gnadenlose" Übersetzung Kirsten Riesselmanns dem Rezensenten streckenweise auf die Nerven gegangen ist. Erstaunlicherweise hält Döring das Buch dennoch für lesenswert - des "Witzes" und der "Neugierde" seiner Sprache wegen, aber auch, weil der Kritiker sich für die britische Sicht auf die deutsche Hauptstadt interessiert. Pierres Berlin-Kenntnisse jedenfalls können sich sehen lassen, meint der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.09.2011

Kein Zweifel, Sabine Vogel hat beim Lesen von DBC Pierres neuem Roman eine gute Zeit gehabt, offenbar hat der Kultautor seinen Enthusiasmen soviel Feuer gegeben, dass sie auch durch Vogels Rezensionen zischen: Sie empfiehlt "Das Buch Gabriel" als "hochprozentigen Knaller". Unmöglich den abenteuerlichen Plot nachzuerzählen, ein Drogist scheint im letzten Moment aus der Entziehungsklinik zu entkommen und fliegt, um seinem Kumpel zu helfen, der Ärger mit der Mafia hat, nach Berlin. Und das Setting hier ist ganz nach Vogels Geschmack: Loser-Ossis in verranzten Kiosken, böse Banker unterm Flughafen Tempelhof und "Kreuzberger Raucherkneipen-Trinker" treffen aufeinander, die Kastanienalle bekommt ihr Fett weg ("Joghurt-Land") und auf der Topografie des Terrors kommt es zu einer veritablen Sexorgie. Ein bisschen stört sich Vogel an der Großmäuligkeit des Erzählers, aber nicht nachhaltig, besonders loben mag sie aber Kirsten Riesselmanns "kongeniale Übersetzung".

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