E.L. Doctorow

City of God

Roman
Cover: City of God
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2001
ISBN 9783462030310
Gebunden, 400 Seiten, 22,96 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Angela Praesent. New York am Ende des 20. Jahrhunderts. Aus der episkopalischen Kirche im East Village ist das große Messingkreuz gestohlen worden. Thomas Pemberton, der von tiefen Glaubenszweifeln gequälte Pfarrer, erfährt bald darauf, dass das Kreuz auf dem Dach einer Synagoge an der Upper West Side entdeckt wurde. Ob nun frevlerisch oder symbolhaft, dieser Vorfall führt Thomas mit den Rabbinern Joshua und Sarah Gruen zusammen. Sie diskutieren über die Frage, welchen Wert die Religion noch in einem Jahrhundert haben kann, das so barbarisch war wie das zwanzigste ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2002

Mit großem Interesse hat Tilman Urbach diesen Roman gelesen, in dem er die existenziellen Fragen des Menschen abgehandelt sieht. In die Geschichte um den Pfarrer Pemperton, der mit schweren Glaubenszweifeln zu kämpfen hat und sich schließlich zum Judentum wendet, winden sich weitere Handlungsstränge und jede Menge Assoziationen sowie Reflexionen zur Erzählweise und ergeben so ein "schwer entwirrbares Geflecht", erklärt der Rezensent. Dies ist für ihn allerdings auch der "Schwachpunkt" des Romans. In der Bändigung seines Stoffes und seiner Themen sieht Urbach den amerikanischen Autor gescheitert. Er moniert, dass der Leser durch so viel "welthaltige Unübersichtlichkeit" verunsichert wird und tadelt das Buch als "theorielastigen Ideenroman". Dass dann doch immer wieder Stellen auftauchen, die ihm "unwillkürlich ans Herz wachsen", kann diesen Mangel für den Rezensenten nicht aufwiegen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2001

Ein "voluminöser Thesenroman" ist "City of God", behauptet Christoph Bartmann, oder der "letzte zerebrale Container-.Roman", in den der Autor thesen-, pamphlet- und traktatmäßig alles hineingestopft habe, was ihm so durch den Kopf schieße. Dazu gehört nach Bartmann viel Philosophie und ketzerische Gottesfurcht, denn mit "City of God" ist Augustinus' Gottesstaat gemeint, womit letztlich ein besseres 21. Jahrhundert eingeklagt wird, so Bartmann. Das Unsortierte, Überbordende ruft auf Dauer eine Art "gereizter Langeweile" hervor, schreibt der Rezensent. Erfrischend hingegen findet er die fiebrigen Passagen über und Hymnen auf New York, die für ihn zum Besten des Romans zählen. Wirklich genervt zeigt er sich dann von Doctorows Versuch, das Philosophisch-Traktathafte und Überdrehte des Romans durch einfache Passagen nach dem Muster von Jazz-Standards zu durchbrechen: in der länglichen Ausführung - zumindest in der deutschen Übersetzung - für ihn schlicht "unerträglich". Einen solchen "Welt-im-Kopf"-Roman zu schreiben, kommt Bartmann alles in allem doch etwas überholt vor.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.09.2001

Soviel wird klar aus Evelyn Fingers eingehender Besprechung: Doctorows Neuer hat's in sich. Einen New-York-Roman, der nicht weniger als die ganze Welt zu fassen versucht, sieht die Rezensentin darin, "eine Teleologie des 20. Jahrhunderts vom Standpunkt der ewigen Verborgenheit Gottes" und "einen Ideenroman im besten Sinne, der keine Überzeugung bebildern, sondern Weltanschauung diskutieren will." Dafür, dass dies gelingt (und Finger lässt daran keinen Zweifel), sorgt einerseits die Verschiedenheit der Sprechweisen - "Gedankenspaziergänge neben Traktat neben Sophisterei. Fiktion vermischt mit historischem Material" -, andererseits der Zweifel, der sich als Leitmotiv durch alle hier versammelten "Lieder, Streitgespräche, Filmszenarien, Storys" usw. zieht und der für die Rezensentin auf die "verborgene Utopie" des Romans verweist, sich allem Erkenntnisoptimismus zu entziehen, ohne das Chaos zu predigen.

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