Eckhard Müller-Mertens schreibt nicht aus der Erinnerung und nicht anekdotisch über sein Leben. Er bietet Analysen gravierender Vorgänge in der Geschichtswissenschaft der DDR wie den Wissenschaftsbeziehungen zwischen Ost und West. Er präsentiert durchgehend und dicht Zeitzeugnisse aus seinem Schriftgut und in der DDR geheim gehaltene Manuskripte, so die radikal systemkritische Analyse der Gesellschaftsstruktur und des politischen Regimes in der Sowjetunion und den Ostblockstaaten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2012
Eckhard Müller-Mertens war Mediävist an der Berliner Humboldt-Uni. Sein Rezensent Michael Borgolte lehrt heute an gleicher Stelle. Der Untertitel von Müller-Mertens' Autobiografie liest sich reichlich bizarr: "Analytische Memoiren oder Report zur Weltanschauung und geistig politischen Einstellung." Aber lange Zeit scheint Borgoltes Kritik Müller-Mertens Selbstbewältigungsstrategien eins zu eins aufzusitzen. So so, Müller-Mertens war also einer der höchsten Honoratioren der Geschichtswissenschaft in DDR, die ihn bis zuletzt mit Ehren überhäufte, er durfte frei in den Westen reisen, der ihn ebenfalls in höchsten Ehren hielt. Und außerdem war er Dissident, wenn auch "innerlich". Heimlich und privat scheint über er Jahrzehnte Schrift auf Schrift gehäuft zu haben, in der er mit dem Regime haderte. Nur leider ließ er es nie verlauten - bis jetzt. Am Ende nähert sich Borgolte doch noch einer Diagnose: Müller-Mertens sei eine "narzisstische Persönlichkeit". Und kommt zum Schluss: "Was der Nachweis einer dreißigjährigen Lüge noch heute für Schüler und Kollegen bedeuten muss, ist erschütternd."
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