Edward Gibbon

Verfall und Untergang des römischen Imperiums

Bis zum Ende des Reiches im Westen. 6 Bände
Cover: Verfall und Untergang des römischen Imperiums
dtv, München 2003
ISBN 9783423590624
Kartoniert, 2270 Seiten, 78,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Walter und Walter Kumpmann. Die reichste, raffinierteste Zivilisation der Welt geht an ihrer eigenen Unzulänglichkeit zugrunde, die Metropole versinkt im Chaos, die letzte Stunde des Imperiums hat geschlagen. Der europäische Fantasie kreist bis auf den heutigen Tag um diesen Geschichtsmythos. Ob es um den Untergang des Abendlandes geht oder um den allerletzten Science-Fiction-Film aus Hollywood - immer ist es die römische Geschichte, die als Modell und Folie dient. Ihre klassische, nie übertroffene Darstellung, ein nie übertroffenes Meisterwerk der Historiographie, stammt von Edward Gibbon. "Die Geschichte", schrieb er vor mehr als zweihundert Jahren, " ist kaum mehr als ein Register aller Verbrechen, Torheiten und Katastrophen des Menschengeschlechts." Sein Lebenswerk entfaltet diesen Gedanken. Heute, da nur eine einzige imperiale Weltmacht geblieben ist, und angesichts neuer Fundamentalismen, ist es aktueller denn je.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.01.2004

Franziska Augstein ist fasziniert von einem Buch, das als "Klassiker" beinahe bescheiden charakterisiert ist: Edward Gibbons "Decline and Fall of the Roman Empire" erschien erstmals zwischen 1776 und 1788, war damals eine Sensation und ist heute ein Monument der Geschichtswissenschaft. Doch kein Museumstück: Denn Gibbon, informiert die Rezensentin, formulierte so lange neu, bis nicht nur ein inhaltlich faszinierendes, sondern auch ein wortgewaltiges, für den "lauten Vortrag" geeignetes Werk entstanden war, und dessen Reproduktion hat sich die Neuübersetzung von Michael Walter mit Erfolg verschrieben - teils sei sie "besser als die (alte) von Sporschill und teils uns Heutigen näher". Und was den Inhalt angeht: Gibbon konnte zwar nur wissen, was er in seinen Quellen fand, aber seine Urteilskraft, verbunden mit der "skeptischen Ironie der Aufklärungsphilosophen", überzeuge noch heute. Nur eines hat Augstein gegen die Neuausgabe einzuwenden: Sie ist unvollständig - der Teil über Ostrom, über Byzanz als neues Zentrum des römischen Reiches, er fehlt. "So eurozentristisch sind wir bis heute", seufzt sie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.12.2003

Die sehr ausführliche Rezension von Franz Georg Meier geht in erster Linie der Frage nach, was Edward Gibbons zu dem großen und lesenswerten Historiker macht, der er auch heute, mehr als 200 Jahr nach Erscheinen seines monumentalen Werks, noch ist. Es liegt, so Meier, vor allem an dem Mittelweg, den Gibbons zu gehen verstand: zwischen historiografischer Faktenbesessenheit, von der die 8.000 Anmerkungen, die zu lesen dennoch ein Genuss sei, zeugen, einerseits und dem Vermögen, große philosophische Bögen zu schlagen und am wahrhaft bedeutenden Gegenstand die entscheidenden Fragen zu stellen andererseits. Gewiss sei das methodisch überholt, nämlich von der großen Entwicklung des 19. Jahrhunderts, der Quellenkritik, noch ganz unbeleckt - thematisch aber sei das Werk bis heute ein Genuss, wenngleich der ausgefeilte rhetorische Stil gelegentlich doch Befremden auslöse. Über die neue Ausgabe und Übersetzung der ersten Bände des Originals ist nur soviel (und nur in einer Klammer) zu erfahren, dass das Vorwort von Wilfried Nippel höchst "lesenswert" ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.12.2003

Ein Klassiker ist das Monumentalwerk seit Jahrhunderten, genauer gesagt seit seiner Erstveröffentlichung im Jahre 1788 - da erschien der letzte der sechs Bände. In neuer Übersetzung - die Stefan Rebenich im wesentlichen "zuverlässig und flüssig" erscheint - sind die entscheidenden, jedenfalls: die besten Partien nun auch wieder in deutscher Sprache zugänglich. Die schlanke Ausgabe mit wenig mehr als 2000 Seiten beschränkt sich auf die ersten 38 Kapitel, die sich von Mark Aurel bis zum Untergang Westroms erstrecken. Die Meisterschaft des Privatgelehrten Edward Gibbon werde darin jedoch zur Genüge deutlich. Die große Stärke des Autors, so Rebenich, liegt in einer ganz eigenständigen Position zwischen Gelehrsamkeit und Spekulation. Er benützte alle vorliegenden Studien und synthetisierte sie zur großen Erzählung, die sich, wie das Nachwort des Gibbon-Kenners Winfried Nippel herausstellt, als "erstaunlich 'modernes' Bild der römischen Kaiserzeit" erweist, etwa in der gelungenen Verbindung von "Kirchen- und Profangeschichte". Anders als gewohnt, das betont der Rezensent, seien es im übrigen die Fußnoten, deren Lektüre hier als "Dialog mit dem Leser" nichts anderes darstellte als "ein reines Vergnügen". Also: Von Kopf bis Fuß ein lesenswertes Buch.

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