Eginald Schlattner

Das Klavier im Nebel

Roman
Cover: Das Klavier im Nebel
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2005
ISBN 9783552053526
Gebunden, 528 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Durch die Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg hat die als "bourgeois" verfemte Familie des jungen Fabrikantensohns Clemens aus Schäßburg/ Sigishoara in Siebenbürgen alles verloren: Der Vater ist im Gefängnis, die Mutter verschollen, Clemens arbeitet in einer Porzellanfabrik und besucht die Abendschule. Als er der Rumänin Rodica begegnet, sprengt die Liebe alle Grenzen. Doch findet er aus seiner sächsischen Bürgerlichkeit oder siegt die Tradition über das Gefühl?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.06.2006

Ja, bestätigt Rezensent Christoph Bartmann eine verbreitete Kritik an Eginald Schlattners Romanen, die Sprache und die beschriebene siebenbürgische Welt vor den Kommunisten sei ohne Zweifel altmodisch, aber genau darin bestehe die Qualität seines Projektes. Das liege an der "Sachlichkeit" des Autors. Zu den Schilderungen beispielsweise der verschwundenen alten Landwirtschaft gehörten eben auch die alten Worte für Dinge und Handlungen. Ein hohes Maß an Genauigkeit und keineswegs Altertümelei sei die Quelle für Eginald Schlattners Schreiben, das vermutlich das letzte literarische Dokument der alten siebenbürgischen Kultur sein werde. Die Romanhandlung allerdings, gesteht der Rezensent ein, gerate bei solcher Detailtreue notwendig ins Hintertreffen. Das Besondere und Interessante des Romans liegt für den Rezensenten aber in erster Linie in der "schönen Langatmigkeit" der erzählten Welt, die im Moment der kulturellen "Selbst-Enteignung" dargestellt werde.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Reginald Schlattner ist in den Augen von Ursula März ein klassischer Chronist von der Art eines Erwin Strittmatters oder Walter Kempowskis, der die Kultur einer bestimmten Region, die Geschehnisse einer bestimmten Epoche mit archivarischem Fleiß aufschreibt, nachzeichnet. Aber Schlattner ist längst nicht so berühmt wie seine beiden Kollegen und das liegt daran, meint März, dass Schlattner aus Siebenbürgen stammt, jener multikulturellen Region im heutigen Rumänien, wo auch viele Deutschstämmige lebten, einer aus Sicht der Rezensentin doch recht abgelegen Gegend Europas. "Klavier im Nebel" ist der dritte Band einer Trilogie über Siebenbürgen, er setzt im Jahr 1948 ein, als der rumänische Kommunismus sich anschickt, die multikulturelle Gesellschaft aus Rumänen, Juden, Zigeunern und Sachsen zu zerschlagen und die sozialen Verhältnisse umzukrempeln. Schlattners Bücher quellen geradezu über von Details, so die Rezensentin, und laufen darum Gefahr, sich darin zu verlieren. Ihr scheint es, als vernachlässige Schlattner manchmal den Hauptstrang seiner Geschichte, dafür gelinge es ihm sehr gut, lobt sie, höchst unterschiedliche Elemente unter einen Hut zu bekommen: "Klavier im Nebel" sei Tragödie und Burleske in einem.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2005

Mit diesem Buch knüpft Eginald Schlattner an seinen ersten Roman "Der geköpfte Hahn" an und erzählt die Geschichte weiter - eine Familiengeschichte, so Rezensentin Nicole Henneberg, und zugleich die Geschichte der Siebenbürger Sachsen, die in der 1948 gegründeten Volksrepublik Rumänien enteignet, verfolgt und teilweise deportiert wurden. Es ist Schlattners traurigstes Buch, bemerkt Henneberg, aber zugleich auch sein komischstes, weil es "der widerständigen Phantasie und der Lebenslust" dieser Menschen huldigt. Schon die Habsburger hätten sich am Protestantismus der Siebenbürger Sachsen "die Zähne ausgebissen", berichtet Henneberg, doch den absurden Mechanismen wie auch brutalen Übergriffen des kommunistischen Regimes seien sie letztlich nicht gewachsen gewesen. So erzähle Schlattner - aus Enkelperspektive - auch vom Untergang einer einst selbstbewussten Kultur und Volksgruppe, für die das "Klavier im Nebel" ein Sinnbild ist und im Übrigen einen Teil einer für uns ganz und gar im Nebel der Geschichte verschwundenen Ecke Europas bezeichnet. Hier lässt sich "Welttheater von fast barockem Ausmaß" erleben, schwärmt Henneberg.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2005

Als "Archiv, das die Lebenskultur einer Welt aufbewahrt" hat Rezensent Wolfgang Schneider den dritten Band der Roman-Trilogie über die Geschichte der Siebenbürger-Sachsen gelesen. Der vorliegende Band ist Schneider zufolge eigentlich das Mittelstück der Trilogie und handelt von den Jahren nach 1945, der Epoche von Enteignung und Kollektivierung. Als Leitmotiv zieht sich aus Sicht des Rezensenten das Motiv des Klaviers als Symbol für die bürgerliche Kultur durch den Roman. Viel historisches Übel werde darin geschildert. Auch zeichne Eginald Schlattner die multikulturelle Welt aus Rumänen, Ungarn, Juden, Deutschen und Zigeunern nach. Dabei liebe dieser Autor besonders das "Schräge, Skurrile und Burleske". Insgesamt nimmt sich Schnatters literarisches Gedächtnis für den Rezensenten wie ein unendlich tiefer Brunnen. Manchmal ist es ihm allerdings des Guten fast zuviel, und er bekennt Schwierigkeiten, im pittoresken Überfluss die Übersicht zu behalten. Doch kann Schneider die Sprachkunst Schlattners gar nicht hoch genug halten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2005

Ursula Pia Jauch jubelt über Eginald Schlattners letzten Teil der "Siebenbürgen"-Trilogie: Ein "grandios erzähltes Epos" liest sie hier und schwärmt von dem "Gespür für die Bedeutung der kleinen Alltagserfahrungen" des Autors. Der Roman komplettiert die Jahre von 1948 bis 1951, die zwischen den ersten beiden Teilen lagen und erzählt die Geschichte des in Rumänien plötzlich zum Klassenfeind eingestuften Clemens Rescher, der aus seinem wohlhabenden Elternhaus vertrieben wird und sich mit seiner Liebe Rodica schließlich auf eine Reise von Siebenbürgen bis ins Banat macht. Diese Reise halte den Roman zusammen wie ein roter Faden, meint die Rezensentin und liest in der Figur Clemens auch viel Autobiografisches über Schlattner. Auch Seitenhiebe auf den politischen Apparat findet sie, etwa, wenn Parteimitglieder so heftig klatschen, dass das Stalin-Porträt von der Wand fällt und der abgedankte König darunter erscheint. Rundum beglückt resümiert sie das Buch als ein literarisches Denkmal der "untergehenden sächsischen Lebenswelt".
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