Elke Heidenreich

Der Welt den Rücken

Geschichten
Cover: Der Welt den Rücken
Carl Hanser Verlag, München 2001
ISBN 9783446200524
Gebunden, 192 Seiten, 16,36 EUR

Klappentext

Warum verbringt man sein Leben mit den falschen Männern, während der richtige schon lange auf einen wartet? Was, wenn sich nach dem Tod der Mutter herausstellt, daß man sie eigentlich gar nicht kannte?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.08.2002

Ulrich Sonnenschein ist von Elke Heidenreichs Erzählungen hin und weg. Denn die Autorin verstehe es vorzüglich Klischees aufzugreifen, um den Leser dann hinter die "spröde Fassade" blicken zu lassen, etwa in der Geschichte über einen Mutter-Tochter-Konflikt, berichtet der Rezensent. In den meisten Geschichten gehe es um Liebe und Idylle, doch sollte man beiden nicht zu sehr über den Weg trauen, geschweige denn Vorstellungen von Dauer und Beständigkeit. "Ganz unangestrengt" führe Heidenreich dem Leser diese Erkenntnisse vor Augen. "Schnörkellos" und "direkt" präsentiere die Autorin die Gruppe der Vierzig- bis Fünfzigjährigen, "ohne Anspruch auf... Verbindlichkeit", ohne gleich ein Generationenporträt erstellen zu wollen. Heidenreichs Geschichten seien vielmehr "feine, absichtslose, aber sensible Beobachtungen in den Kolonien der Liebe", in denen auch der Humor nicht zu kurz komme.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.11.2001

Walter van Rossum zeigt sich verzückt. Er findet in Elke Heidenreichs neuen Geschichten nichts, was zu kritisieren wäre. Sie erzähle klar und mit einer angenehmen Beiläufigkeit, sei weder zu ausführlich noch zu knapp und immer humorvoll. Heidenreich sei eine "wunderbare Erzählerin", und dem angemessen sei auch die schöne Buchgestaltung. Den Untertitel "Geschichten" hält der Rezensent für pure Tiefstapelei seitens der Autorin und kommt zu dem Schluss: "Diese Geschichten sind jedenfalls lebensgesättigt und doch keineswegs bloß von anekdotischem Belang."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2001

Man kann Hannelore Schlaffers Rezension eine Hymne nennen. Zwar beginnt die Kritikerin in reichlich zweideutigem Ton den Erfolg der Autorin Heidenreich als Brigitte-Kolumnistin und Talkshowmoderatorin zu beschreiben. Auch der Hinweis, die im Band versammelten Erzählungen seien "locker geschrieben" und für einen "Sonntagsleser" mühelos genießbar, klingen nicht eben nach Anerkennung. Aber dann kommt die Rezensentin zur Sache: es handle sich um sieben Geschichten mit sieben Themen, die aber doch von einem einzigen Motiv zusammengehalten würden - einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung. Dadurch werden die Erzählungen in Schlaffers Augen fast zu einem Roman, sogar zu einem autobiografischen Roman. Denn Schlaffer hat im Laufe der Lektüre die "Historie der Weiblichkeit" einer von den 60er Jahren geprägten Jugend entdeckt. Es sei nichts Neues, die politische Kompetenz dieser Generation anzuzweifeln. Neu findet sie bei Heidenreich jedoch die Unbeschwertheit, mit der diese Zweifel vorgetragen oder ironisiert würden.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2001

Nur auf den ersten Blick, meint Manfred Papst, zeigen die neuen Erzählungen von Elke Heidenreich ähnliche Qualitäten wie die früheren aus dem Band "Kolonien der Liebe": einen soliden Aufbau und einen flapsigen, leicht ironischen Ton. Nur seien dieses Mal nicht nur die Protagonisten - Altachtundsechziger beim Bilanzieren ihrer Lebenssumme und in schwelgerischen Erinnerungen begriffen - älter geworden, auch ihre Sprache sei "in Konventionen und Worthülsen erstarrt". Mit abgegriffenen Klischees und Allerweltsmetaphern bemühe die Autorin sich um publikumswirksame Pointen. Dabei ist ihr, so vermutet der Rezensent, die erzählerische Geduld verloren gegangen. Die Sätze, die Heidenreich etwa zur Schilderung eines erotischen Erlebnisses zur Verfügung stünden, seien klapprig, papieren und entbehrten jeder Sinnlichkeit. Zudem falle sie sich ständig selbst kommentierend ins Wort. Schade, findet Papst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.08.2001

Dürr findet Kristina Maidt-Zinke die Prosa der Autorin. Sie fragt sich, ob der Erzählband "wirklich nötig" war, auch wenn er ihrer Meinung nach viele Menschen glücklich machen wird - allein schon wegen der Medienpräsenz der Autorin werden sie kaufen, egal was drin steht, vermutet Maidt-Zinke. Und das, was drin steht, sei nicht mehr ganz frisch, besonders die literarischen Figuren. Den Erzählstil bezeichnet die Rezensentin als "kunstlos menschelnd" und "unbekümmert eindimensional". Der Lektor hat vielleicht nicht aufgepasst, mutmaßt sie, als er jenen Absatz las, in dem das "weibliche Stellvertreter-Ich" der Autorin dem "pädagogisch motiviertem Denkfleiß" anheim fiel. Kristina Maidt-Zinke resümiert, dass alles ja ganz nett erzählt sei, aber doch eher in diverse Zeitschriften passen würde als in ein Buch - die Lektüre hat bisweilen einen gewissen Verdruss in ihr hervorgerufen.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…