Aus dem Neugriechischen von Gerhard Blümlein und Sigrid Willer. Mit einem Nachwort von Tilman Spengler. Warum Ehemänner zu bedauern und Eintagsfliegen zu beneiden sind: Bei Roidis bekommt man eine ganz neue Sicht auf die Welt geboten. In seiner Heimat als "griechischer Voltaire" verehrt, ist der begnadete Satiriker hierzulande noch nahezu unentdeckt. Erstmals werden die Kabinettstücke des süffisanten Spötters nun in repräsentativer Auswahl auf Deutsch vorgelegt. Emmanouil Roidis' Werk ist eine Provokation. Schon sein gewagter Romanerstling "Die Päpstin Johanna" trug dem Verfasser nicht nur Ruhm, sondern auch die Exkommunikation ein. Nicht weniger lustvoll und respektlos nimmt sich der Autor in seinen späten Erzählungen der Horte bürgerlicher Moral an. Ob auf dem Hühnerhof oder dem Tanzparkett, in der Taverne oder im Boudoir, stets fördert der wache Blick des Erzählers Unvermutetes zutage.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2010
Den Humanismus des Autors spürt Hans-Joachim Simm in jeder Zeile dieser zwischen 1884 und 1901 entstandenen Erzählungen und Skizzen. Für ihn steht fest: Hier ist ein fast vergessener Klassiker wiederzuentdecken. Lust macht uns der Rezensent, indem er uns Emmanuel Roidis als Begründer der modernen griechischen Erzählung vorstellt, der sowohl mit Poe und Racine als auch mit der griechischen Mythologie vertraut war, in seinen mal ironisch und satirisch, mal derb und drastisch gehaltenen Texten Gesellschaftskritik übte und menschliche Befindlichkeiten psychologisch genau beschreiben konnte. Die vorliegende Edition von Andrea Schellinger lobt Simm für ihre Sorgfalt, ihre zuverlässigen Anmerkungen und ein informatives Nachwort.
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