In ihrer Studie untersucht Eva Horn anhand einer Fülle von Beispielen aus Literatur und Film die Struktur des geheimen Staatswissens. Statt jedoch Staatsgeheimnisse "aufdecken" zu wollen, stützt sich die Autorin absichtlich auf Fiktionen, weil diese die Logik des Geheimen nicht aufbrechen, sondern analysieren. Sichtbar wird dabei die diffizile Ökonomie von Präsentiertem und Verborgenem, die moderne Politik bis heute prägt. Nur Fiktion so die Grundthese ist in der Lage, das Rätsel in seiner Rätselhaftigkeit zu lesen zu geben und damit eine Einsicht in das Funktionieren des politischen Geheimnisses zu ermöglichen, ohne es zu lösen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2008
Mit großer Spannung hat Bernhard Dotzler Eva Horns Analyse über Verrat und Spionage in der Literatur des 20. Jahrhunderts gelesen. Er betont, dass es der Autorin dabei nicht um Einzelfiguren, sondern um das universale Muster, das dahinter steht, geht. Deshalb will der Rezensent ihr auch nicht vorwerfen, dass nicht alle klassischen Verräterfiguren vorkommen, denn mithilfe der Theorien von Borges, Derrida und Carl Schmitt arbeite Horn eben den Typus des Verräters und die "immergleichen" Geschichtsmuster des Verrats heraus, so Dotzler interessiert. Als Kerngedanke kristallisiert sich bei der Untersuchung das Problem des politischen Geheimnisses heraus, das zugleich "anrüchig" wie mitunter politisch notwendig sei, erklärt der Rezensent. Auch wenn er Horns Ausführungen alles in allem recht verführerisch findet, hat er doch den Eindruck, dass sich die Autorin in ihrer These von der "strukturellen Fiktionalität", die sie jedem Verrat zuschreibt, was ihn somit als ureigenes Gebiet der Literatur ausweist, auch ein bisschen verrennt.
Ausgesprochen lesenswert findet Rezensent Christian Semler dieses Buch der Literaturwissenschaftlerin Eva Horn, das seinem Eindruck zufolge den Versuch unternimmt, "eine Art Stukturgeschichte des geheimdienstlichen Wissens" zu entwerfen. Besonders reizvoll findet Semler die These, dass die Diskurse der Geheimdienste so wirksam sind, dass ihre Beschreibung jenseits der Fiktion quasi tabu seien, und man daher mehr in Romanen, also der Fiktion, als aus realitätsnäheren Quellen darüber erfahren könne. Semler beschreibt drei Teile des Buchs. Im ersten gehe es um die historischen Grundlagen des Themas "Geheimnis und Verrat". Dann öffne die Autorin ihren "theoretischen Werkzeugkasten", um schließlich den Formwandel der Beziehung "Geheimnis und Verrat" vom 19. Jahrhundert bis zum 11. September 2001 zu verfolgen. Hier reklamiert der Rezensent ein paar Defizite, zum Beispiel unzureichende Kenntnisse der Autorin in Sachen Geschichte des Kommunismus. Auch was sie über das Partisanentum schreibt, erfüllt die Rezensentenanforderungen nur unzureichend. Insgesamt aber findet Semler Horns Analysen ebenso scharfsinnig wie erhellend, auch was ihre Einordnung des modernen Terrors und seiner Bekämpfung betrifft, und weist beglückt auch auf den umfänglichen Bildteil der Arbeit hin.
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